Überblick über Verhütungsmethoden
Nessuna cartaWann man welche Verhütungsmethode anwendet, ist von vielen Faktoren abhängig. Hier finden Sie eine Übersicht zu den verschiedenen Methoden.
Kontrazeptiva dienen der Schwangerschaftsverhütung und -planung, wobei Sicherheit, einfache Handhabung sowie Verträglichkeit und Schutz vor Geschlechtskrankheiten eine wichtige Rolle spielen.
Übersicht der Kontrazeptionsmethoden
Methoden der Empfängnisverhütung lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:
Methoden ohne Mittelanwendung:
Coitus interruptus
Methoden zur Fruchtbarkeitsbestimmung (Natürliche Familienplanung, Zyklusanalysecomputer, Zyklus-Apps, Biosensor OvulaRing®, Speicheltest zum Farnkraut-Nachweis)
Chemische Methoden:
Spermizide
Zitronen- und Milchsäureprodukte
Mechanische Methoden:
Barrieremethoden (Kondom, Diaphragma, Portiokappe)
Intrauterinpessar (IUP) (wirkstofffrei, kupfertragend)
Intrauterinball (kupfertragend)
Hormonelle Methoden:
Mit Ovulationshemmung („Pille“, 1-Monats-Spritze, Nuvaring®, Wochenpflaster EVRA®, 3-Monats-Spritze, Implanon®, Minipille mit Desogestrel)
Teilweise Ovulationshemmung (Minipille mit Levonorgestrel)
Keine/bis auf Ausnahmen Ovulationshemmung (gestagenhaltige Intrauterinsysteme (IUS) Mirena®, Jaydess®, Kyleena®)
Notfallkonzeption:
„Pille danach“
„Spirale danach“ (kupfertragend)
Irreversible Methoden:
Operative Sterilisation von Frau oder Mann
Nichtoperative Sterilisation der Frau (Essure®-Verfahren)
Wirkmechanismen der Empfängnisverhütung
Kontrazeptiva greifen in den natürlichen Schwangerschaftsprozess ein durch:
Ovulationshemmung: Verhinderung des Eisprungs.
Konzeptionsverhütung: Verhinderung der Befruchtung.
Nidationshemmung: Verhinderung der Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle.
Zuverlässigkeit der Verhütungsmethoden: Pearl-Index (PI)
PI ↔ Unzureichende Sicherheit.Der Pearl-Index ist ein internationaler Maßstab für die Sicherheit von Verhütungsmethoden.
Pearl-Index =
Niedriger PI ↔ Hohe Sicherheit.
Hoher
| Methode | Pearl-Index Methodensicherheit | Pearl-Index Gebrauchssicherheit |
| Implanon® | 0,01–0,05 | 0,05 |
| Sterilisation beim Mann | 0,1 | 0,09–0,15 |
| 3-Monats-Spritze | 0,1–0,6 | bis 3 |
| Orale Kombinations-Präparate | 0,1–0,9 | bis 9 |
| IUS (LNG) | 0,06–0,33 | 0,2 |
| Minipille Cerazette® | 0,14–0,17 | 0,4 |
| NFP nach Sensiplan® | 0,4 | 1,8 |
| Kondom | 2 | 12–18 |
| Coitus interruptus | 4 | 22 |
| Ohne Kontrazeption | 85 |
Detaillierte Erklärung ausgewählter Methoden
1. Methoden ohne Mittelanwendung
a. Natürliche Familienplanung (NFP) mit Sensiplan
Sensiplan ist eine symptothermale Methode, die den Körper beobachtet.
- Basis: Veränderungen des Zervixschleims (sympto-), der Zervix und der Körpertemperatur (-thermal).
- Hohe Sicherheit: PI von 0,4 (Methodensicherheit), 1,8 (Gebrauchssicherheit).
- Prinzip der doppelten Kontrolle: Zwei Fruchtbarkeitsparameter sichern sich gegenseitig ab.
Ablauf der Fruchtbarkeitsbestimmung:
- Zervixschleim:
- Frühzyklus: Zäher Zervixschleimpfropf.
- Östrogeneinfluss: Flüssiger, transparenter, dehnbar (Spinnbarkeit), ähnlich rohem Eiweiß.
- Farnkrautphänomen: Kristalle im getrockneten Speichel (Speicheltest).
- Nach Ovulation: Zäh durch Progesteron, Spermien undurchlässig.
- Zervix: Öffnet sich, wird weicher und richtet sich auf zur Ovulation.
- Basaltemperatur:
- Vor Ovulation: Niedriges Niveau.
- Nach Ovulation: Anstieg um einige Zehntel Grad, bleibt erhöht.
- Mittelschmerz: Zusätzliches Körperzeichen.
- Dokumentation: Tägliche Aufzeichnung im Zyklusblatt.
- Auswertung: Gemäß Sensiplan-Regeln, Beginn der fertilen Phase mit Zervixschleim oder Temperaturanstieg, Ende nach Auswertung beider Parameter (doppelte Kontrolle).
b. Zyklusanalysecomputer & Apps
- Messung von Hormonen im Urin (direkt) und/oder Körpertemperatur (indirekt).
- Beispiele: Lady-Comp®, Cyclotest®, Persona-Verhütungsmonitor®.
- Effektivitätsstudien noch begrenzt, besonders für Kontrazeption.
c. Speicheltest zum Farnkraut-Nachweis
- Ermittlung des Farnkraut-Phänomens (Kristalle im Speichel bei östrogenbedingtem Anstieg des Salzgehalts).
- Nicht zur Kontrazeption empfohlen wegen häufiger Fehlinterpretationen.
d. Coitus interruptus
- Penis vor Samenerguss aus der Scheide gezogen.
- Geringe Sicherheit (PI 4–22) und Störung des Sexuallebens.
2. Chemische Methoden
Chemische Verhütungsmittel wirken doppelt: mechanischer Verschluss des Muttermunds und Hemmung der Spermienbewegung.
- Wirkstoffe: Nonoxinol (spermizid, antibakteriell), Milchsäure- oder Zitronensäurebasis (erhöhen pH-Wert, beeinträchtigen Spermienmotilität).
- Nur in Kombination mit Barrieremethoden empfohlen aufgrund geringer alleiniger Sicherheit.
- Kontraindikationen: starker Fluor vaginalis, Kolpitis, Zervizitis, allergische Reaktionen.
3. Mechanische Methoden
Barrieremethoden verhindern mechanisch das Aufsteigen der Spermien.
a. Kondome
- Material: Naturkautschuklatex, hypoallergener Latex, Polyurethan.
- Einziges Verhütungsmittel mit Schutz vor Geschlechts- und Infektionskrankheiten.
- Männerkondom: Über Penis gezogen, fängt Ejakulat auf.
- Frauenkondom (Femidom): Kann vor oder nach Geschlechtsverkehr eingesetzt werden.
b. Diaphragma & Portiokappe
- Diaphragma: Weiche Membrane über elastischem Ring, mit spermizidem Gel angewendet.
- Verbleibedauer: Frühestens 2 Stunden vor, spätestens 24 Stunden nach Sex.
- Individuelle Anpassung, für einige nicht auf dem Markt verfügbar (MILEX Wide Seal®).
- Caya® contoured Silikon-Diaphragma: Ovale Form, fast alle Frauen passen, 2 Jahre nutzbar.
- Portiokappe FemCap®: Silikonkappe über Zervix.
- Verbleibedauer: Frühestens 8 Stunden nach, nicht länger als 48 Stunden.
- Benötigen Selbstuntersuchungs- und Anwendungstraining.
c. Intrauterinpessar (IUP) „Spirale“ & Intrauterinball (IUB)
- IUP: Kleiner biegsamer Kunststoffgegenstand mit Faden.
- Kupfertragende Spiralen: Verursachen sterile Entzündung, zytotoxisch und spermizid.
- Verweildauer: 3–5 Jahre (T-Safe CU bis 10 Jahre).
- Mögliche Nebenwirkungen: Stärkere/schmerzhafte Regelblutung.
- Kupferkette Gyne Fix®: Speziell für Kinderlose, erfordert spezielle Einlage.
- Kupfer-Intrauterinball (IUB): Draht mit Kupferkügelchen, formt sich dreidimensional.
- Vorteile: Einfache Einlage, weniger Endometrium-Irritationen.
- Verweildauer: 5 Jahre.
- Hormonspiralen (LNG-IUS): Geben Gestagen Levonorgestrel ab.
- Wirkung: Unterdrückung der Endometriumproliferation, zäher Zervixschleim.
- Mirena®, Kyleena®, Jaydess® (unterschiedliche Dosis und Größe).
- Verweildauer: 3–5 Jahre.
- Einlage durch Frauenärztin während Menstruation empfohlen.
- Kontraindikationen: genitale Infektionen, Anatomieveränderungen, Schwangerschaft, Kupferallergie u. a.
4. Hormonelle Methoden
Hormone (Östrogene, Gestagene) können Ovulation hemmen, teilweise hemmen oder nur lokale Effekte haben.
- Kombinationspräparate („Pille“): Östrogen + Gestagen.
- Wirkung: Ovulationshemmung, Veränderung von Zervixschleim, Endometrium.
- Einnahme: 21 Tage mit, 7 Tage ohne oder Langzeitzyklen.
- Typen: Einstufen-, Zweistufen-, Dreistufen-, Vierphasenpräparate.
- Regelmäßige Einnahme wichtig (alle 24-36 Stunden).
- Erhöhtes Thromboserisiko bei 3. und 4. Generation Gestagenen.
- Vaginalring (Nuvaring®): Flexibler Ring, gibt Östrogen + Gestagen frei.
- Verweildauer: 3 Wochen, 1 Woche ringfrei.
- Wochenpflaster (EVRA®): Transdermale Kontrazeption (Pflaster für 1 Woche).
- Verweildauer: 3x eine Woche, 1 Woche pflasterfrei.
- Depotgestagene (3-Monats-Spritze): Hochdosiertes Gestagen.
- Wirkung: Ovulationshemmung für 3 Monate.
- Nicht als Mittel der ersten Wahl, erhöhtes Risiko für Thromboembolien, Knochendichteverminderung.
- Hormonimplantat (Implanon®): Subkutan im Oberarm, gibt Gestagen ab.
- Wirkung: Ovulationshemmung und lokale Effekte.
- Verweildauer: 3 Jahre.
- Minipille: Konstant niedrig dosiertes Gestagenmonopräparat.
- Desogestrel-Minipille: Ovulationshemmung, bis zu 12 Stunden Toleranz bei Einnahme.
- Levonorgestrel-Minipille: Überwiegend lokale Effekte, Ovulation nur teilweise eingeschränkt, 2-3 Stunden Toleranz.
- Risiken & Nebenwirkungen hormoneller Methoden:
- Erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien, Herzinfarkt, Schlaganfall, Zervixkarzinom (Kombinationspräparate).
- Kontraindikationen: Rauchen >35 Jahre, familiäre Thromboembolien, Migräne mit Aura, Diabetes mit Risikofaktoren, Stillen in den ersten 6 Monaten.
5. Notfallkonzeption
„Pille danach“ ist für den Notfall gedacht, kein Ersatz für Verhütungsmittel.
- LNG/Levonorgestrel-Präparat (PiDaNa®, Unofem®): Einnahme innerhalb von 72 Stunden.
- UPA/Ulipristalacetat-Präparat (ellaOne®): Einnahme innerhalb von 120 Stunden (5 Tage).
- Wirkung: Ovulationshemmung/-verzögerung.
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Kopfschmerzen, Regeltemplungsstörungen.
- „Spirale danach“: Kupferspirale innerhalb von 3-5 Tagen.
- Verhindert Nidation, kann als Langzeitverhütung dienen.
6. Irreversible Methoden (Sterilisation)
Chirurgischer Eingriff zur dauerhaften Unfruchtbarkeit.
- Sterilisation der Frau:
- Laparoskopie: Eileiter koaguliert/durchtrennt.
- Essure®-Verfahren (nichtoperativ): Mikrospirale im Eileiter (Hersteller hat Vertrieb eingestellt).
- Sterilisation des Mannes (Vasektomie): Samenleiter durchtrennt.
- Zusätzliche Verhütung für 3 Monate notwendig bis Spermienfreiheit nachgewiesen.
Empfängnisregelung nach der Geburt (Wochenbett und Stillzeit)
In der Nachsorge ist eine umfassende Beratung zur Kontrazeption wichtig für die Partner.
- Fruchtbarkeit nach Geburt:
- Nicht oder teilweise stillende Frauen: Follikelreifung und Ovulation nach 4–6 Wochen.
- Stillende Frauen: Prolaktin verzögert Ovulation.
- LAM (Laktationsamenorrhöe-Methode):
- Hoher Schutz (bis zu 98% in ersten 6 Monaten) unter bestimmten Bedingungen:
- Keine Regelblutung (erste 8 Wochen post partum ignoriert).
- Ausschließliches oder fast ausschließliches Stillen
- Mindestens 6 Stillmahlzeiten pro 24 Stunden, max. Abstand 6 Stunden.
- Kind jünger als 6 Monate.
- Empfehlungen:
- Kondom während genitaler Wundheilung.
- Beachtung des Stillens und dessen Einfluss auf die Milchbildung.
- Nach Abstillen: Wahl des persönlichen Kontrazeptivums.
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