Pharmakokinetik und Pharmakodynamik eines Medikaments

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Die Pharmakokinetik beschreibt, wie der Körper ein Medikament aufnimmt, verteilt, verstoffwechselt und ausscheidet. Sie umfasst die Pharmakokinetischen Parameter wie Resorption, Verteilung, Elimination, Bioverfügbarkeit und den First-Pass-Effekt. Die Pharmakodynamik befasst sich mit dem Wirkmechanismus und der Wirkqualität von Medikamenten sowie deren Potenz.

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Réviser
Question
Was beschreibt die Pharmakokinetik?
Réponse
Den Weg eines Pharmakons durch den Körper: Resorption, Verteilung, Metabolismus und Elimination (ADME).
Question
Was versteht man unter dem First-Pass-Effekt?
Réponse
Die präsystemische Metabolisierung eines Pharmakons, hauptsächlich in der Leber, die seine Bioverfügbarkeit reduziert.
Question
Was ist das Verteilungsvolumen?
Réponse
Ein fiktives Volumen, das angibt, wie stark sich ein Medikament vom Plasma ins Gewebe verteilt. Ein hohes Volumen bedeutet mehr Gewebeverteilung.
Question
Definiere die Halbwertzeit eines Medikaments.
Réponse
Die Zeit, in der die Plasmakonzentration eines Medikaments auf die Hälfte ihres ursprünglichen Wertes sinkt.
Question
Was ist ein kompetitiver Antagonist?
Réponse
Eine Substanz, die an die gleiche Bindungsstelle wie ein Agonist bindet, dessen Wirkung aber durch höhere Agonist-Dosen überwunden werden kann.
Question
Wie wirkt ein nicht-kompetitiver Antagonist?
Réponse
Er bindet an eine allosterische (andere) Stelle, verändert die Rezeptorstruktur und verhindert die maximale Wirkung des Agonisten.
Question
Was ist der Rebound-Effekt?
Réponse
Das verstärkte Wiederauftreten von Symptomen nach dem abrupten Absetzen eines Medikaments, z.B. bei Betablockern.
Question
Nennen Sie den Wirkmechanismus von direkten Sympathomimetika.
Réponse
Sie stimulieren direkt adrenerge Rezeptoren (α oder β), wie z.B. Dopamin bei Schock.
Question
Wie wirken indirekte Sympathomimetika?
Réponse
Sie erhöhen die Freisetzung von Noradrenalin aus den präsynaptischen Endigungen, wie z.B. Amphetamine.
Question
Welchen Mechanismus haben β-Blocker?
Réponse
Sie sind kompetitive Antagonisten an β-Adrenorezeptoren und senken Herzfrequenz und Blutdruck.
Question
Nennen Sie wichtige unerwünschte Wirkungen von α-Blockern.
Réponse
Orthostatische Hypotonie, Schwindel und Reflextachykardie.
Question
Wie wirken indirekte Parasympathomimetika?
Réponse
Sie hemmen die Acetylcholinesterase und erhöhen so die Acetylcholin-Konzentration am Rezeptor, z.B. Rivastigmin bei Alzheimer.
Question
Was sind typische Nebenwirkungen von Parasympatholytika?
Réponse
Mundtrockenheit, Tachykardie, Mydriasis, Harnverhalt und Obstipation.
Question
Welchen Wirkmechanismus haben Cumarine?
Réponse
Sie hemmen kompetitiv die Vitamin-K-Epoxid-Reduktase und reduzieren so die Synthese der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X.
Question
Warum ist bei Therapiebeginn mit Cumarinen eine überlappende Heparin-Gabe nötig?
Réponse
Wegen des initialen Abfalls der gerinnungshemmenden Proteine C & S, was das Thromboserisiko vorübergehend erhöht.
Question
Welcher Laborparameter wird zur Überwachung von UFH (unfraktioniertem Heparin) verwendet?
Réponse
Die partielle Thromboplastinzeit (PTT), die durch UFH erhöht wird.
Question
Was ist das Antidot für Dabigatran (Pradaxa®)?
Réponse
Das spezifische Antidot ist Idarucizumab (Praxbind®).
Question
Wie wirken Fibrinolytika wie Alteplase?
Réponse
Sie sind Plasminogenaktivatoren, die die Umwandlung von Plasminogen zu Plasmin fördern, welches Fibrin spaltet und so Thromben auflöst.
Question
Welchen Wirkmechanismus hat Acetylsalicylsäure (ASS) als Thrombozytenaggregationshemmer?
Réponse
Es hemmt irreversibel die Cyclooxygenase (COX-1) in Thrombozyten und verhindert so die Bildung von Thromboxan A2.
Question
Was bedeutet DAPT?
Réponse
Duale Thrombozytenaggregationshemmung; eine Kombination aus ASS und einem P2Y12-Inhibitor wie Clopidogrel.
Question
Wie wirken ACE-Hemmer?
Réponse
Sie hemmen das Angiotensin-Converting-Enzym und damit die Umwandlung von Angiotensin I zu II, was zur Vasodilatation und Blutdrucksenkung führt.
Question
Was ist eine typische Nebenwirkung von ACE-Hemmern?
Réponse
Ein trockener Reizhusten, verursacht durch die Anreicherung von Bradykinin.
Question
Wie unterscheiden sich Dihydropyridin- von Nicht-Dihydropyridin-Calciumkanal-Blockern?
Réponse
Dihydropyridine (z.B. Amlodipin) wirken vorwiegend peripher, Nicht-Dihydropyridine (z.B. Verapamil) zusätzlich negativ chronotrop und inotrop auf das Herz.
Question
Welchen Mechanismus haben Schleifendiuretika?
Réponse
Sie hemmen den Na⁺-K⁺-2Cl⁻-Cotransporter im aufsteigenden Ast der Henle-Schleife und sind die stärksten Diuretika.
Question
Welche Diuretika-Klasse kann Hyperkaliämie verursachen?
Réponse
Kaliumsparende Diuretika wie Aldosteronantagonisten (Spironolacton). Vorsicht bei Kombination mit ACE-Hemmern!
Question
Welche wichtige Nebenwirkung hat das Antiarrhythmikum Amiodaron?
Réponse
Schilddrüsenfunktionsstörungen (Hypo-/Hyperthyreose), da es Jod enthält, sowie potenzielle Lungenfibrose.
Question
Was ist das Dawn-Phänomen bei Diabetes?
Réponse
Eine frühmorgendliche Hyperglykämie aufgrund eines erhöhten nächtlichen Insulinbedarfs durch Wachstumshormon-Freisetzung. Abenddosis muss eventuell erhöht werden.
Question
Was ist der Somogyi-Effekt bei Diabetes?
Réponse
Eine reaktive Hyperglykämie am Morgen, die nach einer nächtlichen Hypoglykämie durch eine zu hohe abendliche Insulindosis verursacht wird.
Question
Welches ist der Wirkmechanismus von Metformin?
Réponse
Es verbessert die Insulinempfindlichkeit der Zellen, hemmt die hepatische Glukoneogenese und verursacht keine Hypoglykämie.
Question
Welche schwere Nebenwirkung ist bei Metformin besonders zu beachten?
Réponse
Die Laktatazidose, insbesondere bei Patienten mit Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz.
Question
Wie wirken SGLT2-Inhibitoren (z.B. Empagliflozin)?
Réponse
Sie hemmen die Glukose-Rückresorption im proximalen Nierentubulus, was zu einer verstärkten Glukoseausscheidung (Glukosurie) führt.
Question
Was sind die zentralen Effekte von Opioiden?
Réponse
Analgetisch, atemdepressiv, sedativ, antitussiv und euphorisch.
Question
Wie behandelt man eine Opioid-Intoxikation?
Réponse
Mit dem reinen Opioid-Antagonisten Naloxon, der die Wirkung an den Opioidrezeptoren kompetitiv aufhebt.
Question
Warum sollten klassische NSAR mit Vorsicht bei Asthmatikern angewendet werden?
Réponse
Die Hemmung der Cyclooxygenase kann den Stoffwechsel in Richtung Leukotrien-Produktion verschieben und einen Asthmaanfall auslösen.
Question
Was sind typische extrapyramidale Störungen (EPS)?
Réponse
Bewegungsstörungen als Nebenwirkung von Antipsychotika: Frühdyskinesien (Zungen-, Schlundkrämpfe), Parkinsonoid (Akinese, Rigor, Tremor) und Spätdyskinesien.
Question
Welche schweren Nebenwirkungen haben Aminoglykosid-Antibiotika?
Réponse
Sie wirken nephrotoxisch (nierenschädigend) und ototoxisch (hör- und gleichgewichtsschädigend), weshalb ein therapeutisches Drug Monitoring zwingend ist.
Question
Welchem Zweck dient eine perioperative Antibiotikaprophylaxe?
Réponse
Der präventiven Vermeidung von postoperativen Wundinfektionen durch eine einmalige intravenöse Antibiotikagabe (Single-Shot) vor der Operation.
Question
Was ist eine maligne Hyperthermie?
Réponse
Eine seltene, lebensbedrohliche Komplikation einer Narkose, ausgelöst durch volatile Anästhetika oder Succinylcholin bei genetischer Disposition.
Question
Wie wirken Benzodiazepine anxiolytisch?
Réponse
Sie verstärken die hemmende Wirkung des Neurotransmitters GABA im ZNS durch Bindung an den GABA-A-Rezeptor.
Question
Warum sind Tetracycline bei Kindern und Schwangeren kontraindiziert?
Réponse
Wegen ihrer Einlagerung in Knochen und Zähne, was zu Zahnverfärbungen und Wachstumsstörungen führen kann.
Question
Was beschreibt die Affinität eines Wirkstoffs?
Réponse
Die Bindungsstärke eines Wirkstoffs an seinen Zielrezeptor. Eine hohe Affinität bedeutet eine starke Bindung auch bei geringer Konzentration.
Question
Was ist das Serotonin-Syndrom?
Réponse
Eine potenziell letale Arzneimittelreaktion durch zu hohe Serotonin-Spiegel, die zu psychischen, autonomen und neuromuskulären Störungen führt.
Question
Wie wirkt ein nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans?
Réponse
Es blockiert als kompetitiver Antagonist die Acetylcholin-Rezeptoren an der motorischen Endplatte und verhindert so eine Muskelkontraktion.
Question
Welche schweren, dosisunabhängigen Nebenwirkungen hat Metamizol?
Réponse
Die Agranulozytose (starker Abfall der Granulozyten), die eine sofortige Absetzung erfordert, sowie anaphylaktische Reaktionen.
Question
Was beschreibt die Potenz eines Wirkstoffs?
Réponse
Die Dosis, die für einen bestimmten Effekt benötigt wird. Je kleiner die für 50 % des Maximaleffekts nötige Dosis (ED₅₀), desto höher die Potenz.
Question
Was versteht man unter der therapeutischen Breite?
Réponse
Den Abstand zwischen der therapeutisch wirksamen und der toxischen Dosis eines Medikaments. Eine große Breite bedeutet hohe Sicherheit.
Question
Was besagt die Intrinsische Aktivität?
Réponse
Die Fähigkeit eines Wirkstoffs, nach der Bindung an einen Rezeptor einen Effekt auszulösen. Reine Agonisten haben eine Aktivität von 1, Antagonisten von 0.
Question
Was beschreibt die Clearance in der Pharmakokinetik?
Réponse
Das fiktive Plasmavolumen, das pro Zeiteinheit von einem Pharmakon befreit wird. Sie ist ein Maß für die Eliminationsleistung des Körpers.
Question
Wie wirken Sartane (AT1-Rezeptorblocker)?
Réponse
Sie blockieren kompetitiv die AT₁-Rezeptoren für Angiotensin II und sind eine Alternative bei Unverträglichkeit von ACE-Hemmern (Husten).
Question
Was ist der Wirkmechanismus von ARNI (Sacubitril/Valsartan)?
Réponse
Kombination aus einem Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Valsartan) und einem Neprilysin-Inhibitor (Sacubitril), der den Abbau natriuretischer Peptide hemmt.
Question
Welches Antidot wird bei einer Paracetamol-Intoxikation eingesetzt?
Réponse
N-Acetylcystein (NAC) i.v., das die Bildung von leberschützendem Glutathion fördert und so die toxischen Metabolite bindet.
Question
Was ist das Maligne Neuroleptische Syndrom (MNS)?
Réponse
Eine seltene, aber lebensbedrohliche Nebenwirkung von Antipsychotika mit Fieber, Rigor und Bewusstseinsstörungen, die ein sofortiges Absetzen erfordert.
Question
Welche Besonderheit hat Lithium in der Therapie?
Réponse
Es besitzt eine sehr enge therapeutische Breite. Zur Prophylaxe von Intoxikationen sind daher regelmäßige Spiegelkontrollen zwingend erforderlich.
Question
Welchem Zweck dient eine perioperative Antibiotikaprophylaxe?
Réponse
Der präventiven Vermeidung von postoperativen Wundinfektionen durch eine einmalige intravenöse Antibiotikagabe (Single-Shot) kurz vor der Operation.
Question
Was ist die Hauptgefahr bei der Therapie mit Sulfonylharnstoffen?
Réponse
Eine schwere und langanhaltende Hypoglykämie, da die Insulinfreisetzung unabhängig von der aktuellen Blutglukosekonzentration stimuliert wird.
Question
Wie wirken SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)?
Réponse
Sie blockieren spezifisch den Serotonin-Transporter (SERT) an der präsynaptischen Membran und erhöhen so die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt.
Question
Welche charakteristische Nebenwirkung hat das Tuberkulostatikum Rifampicin?
Réponse
Eine unbedenkliche orange-rote Färbung von Körperflüssigkeiten wie Urin, Schweiß und Tränen.
Question
Welchen Kanal blockieren Klasse-I-Antiarrhythmika wie Lidocain?
Réponse
Sie blockieren primär spannungsabhängige Natriumkanäle am Myokard und verlangsamen so die Depolarisation der Herzzellen.
Question
Wie wirken Antifibrinolytika wie Tranexamsäure?
Réponse
Sie hemmen die Umwandlung von Plasminogen zu Plasmin oder blockieren die Plasminwirkung, was die Fibrinolyse unterbindet und die Blutgerinnung stabilisiert.
Question
Welche schwere gastrointestinale Nebenwirkung kann unter Clindamycin auftreten?
Réponse
Die pseudomembranöse Kolitis, verursacht durch eine Überwucherung mit dem Bakterium Clostridioides difficile nach Störung der Darmflora.
Question
Welche Gefahr besteht bei Einnahme von MAO-Hemmern mit tyraminreichen Lebensmitteln?
Réponse
Eine hypertensive Krise ("Cheese-Effect") durch die verhinderte Metabolisierung von Tyramin, was zu einer verstärkten Freisetzung von Katecholaminen führt.
Question
Wie wirkt das osmotische Diuretikum Mannitol?
Réponse
Es erhöht den osmotischen Druck im Plasma und tubulären Lumen, entzieht dem Gewebe Wasser und führt zu einer forcierten Diurese.
Question
Was ist der Rebound-Effekt bei abruptem Absetzen von Clonidin?
Réponse
Ein plötzlicher, starker Blutdruckanstieg (hypertensive Krise) durch eine reaktive sympathische Überaktivität.
Question
Wodurch zeichnet sich ein malignes neuroleptisches Syndrom (MNS) aus?
Réponse
Durch die Trias aus Fieber, Rigor und Bewusstseinsstörungen. Es ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation.
Question
Welchen Wirkmechanismus haben Digitalis-Glykoside?
Réponse
Sie hemmen die Na⁺/K⁺-ATPase der Herzmuskelzellen, was zu einem Anstieg des intrazellulären Kalziums führt. Dies bewirkt eine positiv inotrope und negativ chronotrope Wirkung.
Question
Wofür wird Adenosin in der Kardiologie eingesetzt?
Réponse
Zur Diagnostik und Therapie von supraventrikulären Tachykardien. Es blockiert kurzzeitig den AV-Knoten und beendet so AV-Knoten-abhängige Reentry-Tachykardien (AVNRT/AVRT).
Question
Was ist die Standardtherapie der Tuberkulose?
Réponse
Eine 2-monatige Vierfachtherapie mit Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Pyrazinamid (PZA) und Ethambutol (EMB), gefolgt von einer 4-monatigen Zweifachtherapie mit INH und RMP.
Question
Nennen Sie eine seltene, aber schwere Nebenwirkung von ACE-Hemmern neben Reizhusten.
Réponse
Das Angioödem, eine Schwellung von Haut und Schleimhäuten, die ebenfalls durch Bradykinin-Anreicherung bedingt ist und bei Larynxbeteiligung lebensbedrohlich sein kann.
Question
Was ist das Antidot für direkte orale Faktor-Xa-Inhibitoren?
Réponse
Andexanet alfa, ein rekombinanter, inaktivierter Faktor Xa, der Medikamente wie Rivaroxaban oder Apixaban bindet und neutralisiert.
Question
Welchen Wirkmechanismus hat Clonidin?
Réponse
Als zentraler α2-Adrenozeptor-Agonist senkt es den Sympathikotonus im ZNS, was zu einer Reduktion von Blutdruck und Herzfrequenz führt.
Question
Wie wirken depolarisierende Muskelrelaxanzien wie Suxamethonium?
Réponse
Sie wirken als Agonisten an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren und führen zu einer Dauerdepolarisation der motorischen Endplatte, was nach initialen Faszikulationen die Muskelkontraktion verhindert.
Question
Welche Generation der Cephalosporine ist gegen MRSA wirksam?
Réponse
Cephalosporine der 5. Generation, wie z.B. Ceftarolin, besitzen ein Wirkspektrum, das auch Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) erfasst.
Question
Welchen wichtigen Erreger deckt Piperacillin ab?
Réponse
Piperacillin ist ein Breitspektrumpenicillin, das auch schwere nosokomiale Infektionen durch Pseudomonas aeruginosa erfasst, meist in Kombination mit einem β-Lactamase-Inhibitor.
Question
Wie wirken α-Glucosidase-Hemmer wie Acarbose?
Réponse
Sie verzögern den Abbau von Kohlenhydraten im Darm, indem sie die α-Glucosidasen hemmen. Dies reduziert die postprandialen Blutzuckerspitzen.
Question
Was beschreibt die Effektdosis (ED₅₀)?
Réponse
Die Dosis eines Wirkstoffs, bei der 50 % des maximalen Effekts erreicht wird. Sie ist ein Maß für die Potenz eines Medikaments.
Question
Wie wirkt das direkte Parasympathomimetikum Pilocarpin?
Réponse
Es ist ein Agonist an muskarinergen Acetylcholin-Rezeptoren und wird zur Senkung des Augeninnendrucks bei Glaukom eingesetzt.
Question
Was ist das Antidot bei einer Vergiftung mit Atropin?
Réponse
Physostigmin, ein indirektes Parasympathomimetikum, das die Acetylcholinesterase hemmt und die Acetylcholinkonzentration im synaptischen Spalt erhöht.
Question
Wie wirken Antifibrinolytika wie Tranexamsäure?
Réponse
Sie hemmen die Umwandlung von Plasminogen zu Plasmin oder blockieren die Plasminwirkung, was die Fibrinolyse unterbindet.
Question
Was ist eine spezifische Nebenwirkung von Dihydropyridin-Calciumkanal-Blockern wie Amlodipin?
Réponse
Häufig treten Knöchelödeme auf, die durch die periphere Vasodilatation und den daraus resultierenden Druckanstieg in den Kapillaren verursacht werden.
Question
Was ist der Wirkmechanismus von Carboanhydrasehemmern?
Réponse
Sie hemmen die Carboanhydrase im proximalen Tubulus der Niere. Sie haben eine schwach diuretische Wirkung und werden bei Glaukom eingesetzt.
Question
Welches ist das häufigste Therapieschema für Patienten mit Typ-1-Diabetes?
Réponse
Die intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT), bestehend aus einem Basalinsulin und mahlzeiten-bezogenem Bolusinsulin.
Question
Was ist eine bedeutende Nebenwirkung der Glitazone (z.B. Pioglitazon)?
Réponse
Periphere Ödeme und Gewichtszunahme durch Wasserretention. Sie sind bei Herzinsuffizienz kontraindiziert.
Question
Wofür steht die Abkürzung PONV?
Réponse
Postoperative Nausea and Vomiting (Übelkeit und Erbrechen). Zur Prophylaxe kann u. a. Dexamethason gegeben werden.
Question
Welche charakteristische Nebenwirkung hat das Tuberkulostatikum Ethambutol?
Réponse
Eine dosisabhängige, reversible Optikusneuritis. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind daher erforderlich.
Question
Warum wird Butylscopolamin bei Koliken bevorzugt i.v. gegeben?
Réponse
Wegen seiner sehr geringen oralen Bioverfügbarkeit. Nur ein kleiner Teil der oralen Dosis erreicht den systemischen Kreislauf.
Question
Welche seltene, aber schwere Nebenwirkung haben Fluorchinolone am Bewegungsapparat?
Réponse
Sie können Tendinopathien und sogar Achillessehnenrupturen verursachen, besonders bei älteren Patienten oder unter Kortikoid-Therapie.
Question
Warum nimmt die Leberfunktion im Alter nicht zwingend ab?
Réponse
Wegen der großen hepatischen Reserve. Die Leber hat eine hohe Regenerationsfähigkeit und kann Funktionsverluste lange kompensieren.
Question
Was ist die Ursache einer Prinzmetal-Angina?
Réponse
Vasospasmen der Koronararterien, die anfallsartig und oft in Ruhe auftreten und zu einer transienten Myokardischämie führen.
Question
Welchen spezifischen Wirkmechanismus hat Ivabradin?
Réponse
Es hemmt selektiv den If-Kanal ("Funny Channel") im Sinusknoten und senkt so die Herzfrequenz, ohne Inotropie oder Blutdruck direkt zu beeinflussen.
Question
Welchen zusätzlichen Mechanismus hat Propranolol bei einer thyreotoxischen Krise?
Réponse
Es hemmt die periphere Konversion von Thyroxin (T4) zu dem wirksameren Triiodthyronin (T3).
Question
Was beschreibt die Forrest-Klassifikation?
Réponse
Den endoskopischen Befund einer oberen Gastrointestinalblutung zur Abschätzung des Risikos einer Rezidivblutung und zur Therapieplanung.
Question
Warum wird die BCG-Impfung gegen Tuberkulose nicht mehr allgemein empfohlen?
Réponse
Wegen der unzureichenden Wirksamkeit (oft <50%) und teilweise starken Nebenwirkungen bei gleichzeitig geringer TBC-Inzidenz in Deutschland.
Question
Welche Wirkstoffklasse ermöglicht eine kurative Therapie der Hepatitis C?
Réponse
Direct-acting antivirals (DAAs), wie z.B. Sofosbuvir. Sie erreichen Heilungsraten von über 90 %.
Question
Wie können Glukokortikoide ein Magenulkus verursachen?
Réponse
Sie hemmen die Synthese von Prostaglandinen, die für die Produktion von schützendem Magenschleim und die Hemmung der Säuresekretion wichtig sind.

Pharmakologie: Grundlagen & Kinetik

Die Pharmakologie befasst sich mit der Wirkung von Arzneimitteln im Körper. Sie unterteilt sich hauptsächlich in Pharmakokinetik und Pharmakodynamik.

Pharmakokinetik (Resorption, Verteilung, Elimination)

  • Resorption: Aufnahme eines Pharmakons in die Blutbahn.

    • Transportmechanismen: Diffusion (entlang Konzentrationsgradient), Aktiver Transport (energieverbrauchend), Vesikulär (Endozytose).

    • Beispiele: Paracetamol, L-Dopa, Insulin.

  • Verteilung: Abhängig von Durchblutung, Permeabilität, Molekülgröße.

  • Elimination:

    • Metabolismus: Hauptsächlich durch Cytochrom P448-Enzyme in der Leber.

    • Ausscheidung: Renal (Niere), biliär (Galle).

Pharmakokinetische Parameter

  • Bioverfügbarkeit: Anteil der Dosis, der den systemischen Kreislauf erreicht. Abhängig von Galenik, Resorption, First-Pass-Effekt.

  • First-Pass-Effekt: Präsystemischer Metabolismus/Eliminierung eines Pharmakons. Medikament wird in der Leber teilweise abgebaut.

    • Beispiele: Morphin (starker First-Pass-Effekt), Nitrat, Digoxin (geringer First-Pass-Effekt).

  • Verteilungsvolumen:

    • Hohes Verteilungsvolumen bedeutet, das Medikament ist mehr im Gewebe.

    • Niedriges Verteilungsvolumen bedeutet, das Medikament befindet sich mehr im Blutplasma.

    • Ein hohes Verteilungsvolumen bedeutet, dass die Elimination länger dauert.

  • Clearance: Fähigkeit des Körpers (Plasma), ein Medikament zu entfernen.

  • Erhaltungsdosis: Nötige Dosis, um eine effektive Wirkung zu erreichen.

  • Halbwertszeit: Zeit, in der die Plasmakonzentration auf die Hälfte reduziert wird. Abhängig von Verteilungsvolumen und Clearance.

Klinische Phasen der Arzneimittelprüfung

  1. Erstanwendung am Menschen: Untersuchung der Sicherheit und Pharmakokinetik.

  2. Prüfung der Wirksamkeit.

  3. Bestätigung der Wirksamkeit: In großen Patientengruppen.

  4. Post-Marketing-Studien (Pharmakovigilanz).

Pharmakodynamik: Mechanismen & Parameter

Die Pharmakodynamik beschreibt den Wirkmechanismus, die Wirkqualität und die Wirkstärke eines Pharmakons.

Pharmakodynamische Parameter

  1. Effektdosis (ED50/EC50): Dosis, bei der 50% der Individuen eine Wirkung zeigen.

  2. Therapeutische Breite: Das Maß zwischen therapeutischer und toxischer Wirkung.

  3. Potenz: Wirkstärke. Je kleiner ED50/EC50, desto größer die Potenz.

  4. Intrinsische Aktivität: Fähigkeit eines Pharmakons, nach Bindung an den Rezeptor eine Wirkung auszulösen.

  5. Affinität: Beschreibt, wie stark ein Pharmakon an einen Rezeptor bindet.

  6. Agonist: Stimuliert den Rezeptor und erzielt eine Wirkung (besitzt Affinität und intrinsische Aktivität).

  7. Antagonist: Bindet an den Rezeptor, erzielt jedoch keine Wirkung (besitzt Affinität, aber keine intrinsische Aktivität).

    • Kompetitiver Antagonist:

      • Bindet an die gleiche Bindungsstelle.

      • Mehr Agonist wird benötigt, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

      • Folge: Potenz reduziert, aber Wirkung erreichbar bei genügender Dosis.

      • Beispiele: Adrenalin und Betablocker.

    • Nicht-Kompetitiver Antagonist:

      • Bindet an eine andere Bindungsstelle, ändert die Struktur eines Rezeptors.

      • Die Dosis-Wirkung des Agonisten wird herabgesetzt.

      • Folge: Keine Wirkung möglich, unabhängig von der Dosierung.

      • Beispiel: Ketamin.

  8. Rebound-Effekt: Tritt auf, wenn ein Medikament zu schnell abgesetzt wird. Um dies zu vermeiden, sollte das Medikament schrittweise ausgeschlichen werden.

    • Beispiele: Betablocker, Benzodiazepine.

Vegetatives Nervensystem & Medikamente

Das vegetative Nervensystem besteht aus Sympathikus und Parasympathikus, die antagonistisch wirken.

Sympathikus: Allgemeine Wirkungen

  • Mydriase (Pupillenerweiterung)

  • Speichelsekretion reduziert

  • Bronchien erweitert

  • Herzfrequenz erhöht

  • Darmbewegung reduziert

Parasympathikus: Allgemeine Wirkungen ("SLUDGE"-Akronym)

  • Miosis (Pupillenverengung)

  • Speichelsekretion erhöht

  • Bronchien verengt

  • Herzfrequenz reduziert

  • Darmbewegung erhöht

  • SLUDGE: Salivation, Lakrimation, Urination, Defäkation, Gastric motility, Emesis

Sympathomimetika

Direkte Sympathomimetika: Stimulation von adrenergen Rezeptoren (α oder β).

  • α- und β-Mimetika: Zur Schocktherapie.

    • Beispiele: Dopamin, Dobutamin, Noradrenalin, Adrenalin.

  • α-Mimetika: Bei Sinusitis.

    • Beispiele: Norfenefrin, Phenylephrin.

  • β2-Mimetika: Bei Asthma und COPD (wirken auf β2-Rezeptoren).

    • Beispiele: Salbutamol, Fenoterol (als Nasenspray möglich).

  • β1/2-Mimetika:

    • Beispiele: Isoprenalin, Terbutalin.

Indirekte Sympathomimetika: Erhöhung der Noradrenalin-Freisetzung.

  • Beispiele: Amphetamine (Dexamphetamin bei Kindern mit ADHS).

  • Unerwünschte Wirkungen: Tachykardie, Arrhythmie, Hyperglykämie, Tremor. Bei Nasentropfen: Schleimhautatrophie.

    • Amphetamin-Missbrauch: führt zu Hyperthermie, Mundtrockenheit, Hypokaliämie (durch Reninfreisetzung und Na+/K+-ATPase-Aktivierung).

Sympatholytika (Kompetitive Antagonisten)

  • α-Blocker:

    • Beispiele: Tamsulosin, Carvedilol (bei benigner Prostatahyperplasie – BPH), Phenoxybenzamin (nicht-selektiver α-Blocker bei arterieller Hypertonie in speziellen Fällen).

    • Unerwünschte Wirkungen: Vasodilatation mit Hypotonie, oft gefolgt von Reflextachykardie.

  • β-Blocker:

    • Beispiele: Carvedilol, Propranolol, Timolol, Sotalol.

    • Kardioselektive (β1): Atenolol, Bisoprolol, Metoprolol.

    • Indikationen: Arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz, KHK, Tachykardie, Migräne, Glaukom.

    • Unerwünschte Wirkungen:

      • Bradykardie (β1), Bronchokonstriktion (β2).

      • Verminderter Sympathikus-Effekt (Depression, Müdigkeit).

      • Rebound-Effekt bei schnellem Absetzen.

    • Kontraindikationen: Asthma bronchiale, COPD, AV-Block (II und III), Hypotonie, pAVK.

    • Eine gleichzeitige Therapie mit Verapamil oder Diltiazem ist kontraindiziert.

Parasympathomimetika & Parasympatholytika

  • Direkte Parasympathomimetika: Agonisten an Muskarinrezeptoren.

    • Beispiel: Pilocarpin (bei Glaukom).

  • Indirekte Parasympathomimetika: Acetylcholinesterase-Hemmer.

    • Beispiele: Rivastigmin (bei Myasthenia gravis, Alzheimer).

    • Unerwünschte Wirkungen: Übermäßige Speichel- und Schweißbildung, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bradykardie, Hypotonie, Bronchokonstriktion.

    • Kontraindikationen: Herzinsuffizienz, Angina pectoris, Asthma, Hyperthyreose.

  • Parasympatholytika (Muskarinrezeptor-Antagonisten):

    • Beispiele: Atropin (bei Bradykardie, Antidot), Ipratropium, Tiotropium (bei Asthma/COPD), Butylscopolamin (Buscopan bei gastrointestinalen Spasmen).

    • Unerwünschte Wirkungen: Mundtrockenheit, trockene Haut, Hyperthermie, Mydriasis (Photophobie), Tachykardie, Harnverhalt, Obstipation.

    • Kontraindikationen: Glaukom, Herzrhythmusstörungen, Myasthenia gravis, Prostatahyperplasie.

Antihypertensiva: RAAS-Inhibitoren, Alphablocker & Betablocker

Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS)

Blockieren die Umwandlung von Angiotensin I in Angiotensin II, senken Aldosteron und vasodilatieren (über Bradykinin).

  • ACE-Hemmer:

    • Beispiele: Ramipril, Enalapril, Lisinopril.

    • Indikationen: Arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen (nephroprotektiver Effekt).

    • Kontraindikationen: Schwangerschaft, Nierenarterienstenose.

    • Nebenwirkungen: Husten (durch Bradykinin), Angioödem, Hyperkaliämie.

  • AT1-Rezeptor-Antagonisten (Sartane):

    • Beispiele: Valsartan, Candesartan.

    • Blockade der AT1-Rezeptoren, Hemmung von Angiotensin II.

    • Gute Alternative bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit (weniger Husten).

    • Gleiche Indikationen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen wie ACE-Hemmer (Husten in geringerem Ausmaß). Kein Angioödem durch Bradykinin.

  • Neprilysin-Inhibitoren:

    • Immer kombiniert mit AT1-Rezeptor-Antagonisten.

    • Beispiel: Sacubitril/Valsartan (ARNI).

    • Indikation: Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF).

    • ACE-Hemmer müssen 36 Stunden vorher abgesetzt werden (Angioödem-Risiko).

Alphablocker

  • Beispiel: Tamsulosin.

  • Wirkmechanismus: Blockade von α1-Rezeptoren führt zu Vasodilatation.

  • Indikationen: Benigne Prostatahyperplasie (BPH), arterielle Hypertonie (Reservemittel).

  • Kontraindikationen: Schwere Herzinsuffizienz, Hypotonie.

  • Nebenwirkungen: Orthostatische Hypotonie, Schwindel.

Zentrale Alpha-2-Agonisten

  • Wirkmechanismus: Stimulation von zentralen α2-Rezeptoren, Hemmung der sympathischen Aktivität führt zu Blutdrucksenkung.

  • Indikationen: Schwangerschaftshypertonie (Methyldopa), arterielle Hypertonie (Reservemittel).

  • Kontraindikationen: AV-Block (II und III), Depression.

  • Nebenwirkungen: Rebound-Effekt bei abruptem Absetzen.

Betablocker

  • Beispiele: Atenolol, Bisoprolol, Metoprolol, Carvedilol (α- und β-Blocker), Propranolol.

  • Wirkmechanismus: Blockade von β-Rezeptoren führt zu negativ chronotropem und inotropem Effekt. Hemmung der Reninfreisetzung führt zu Blutdrucksenkung.

  • Indikationen: Arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz, KHK, Migräne.

  • Kontraindikationen: Asthma bronchiale, AV-Block, Bradykardie.

  • Nebenwirkungen: Bronchokonstriktion, Bradykardie, Rebound-Effekt.

  • Vorsicht bei pAVK (Vasokonstriktion möglich).

Calciumkanalblocker

Hemmung des Kalziumeinstroms in die Zelle über L-Typ-Kalziumkanäle.

  • Dihydropyridine: Peripher wirksam (Gefäße).

    • Beispiele: Amlodipin, Nifedipin.

    • Wirkmechanismus: Vasodilatation (auch in Koronargefäßen) führt zu Blutdrucksenkung und Reflex-Tachykardie.

    • Indikationen: Hypertonischer Notfall (Nifedipin), arterielle Hypertonie, Prinzmetal-Angina, Raynaud-Syndrom.

    • Kontraindikationen: Akutes Koronarsyndrom, Tachykardie.

    • Nebenwirkungen: Reflex-Tachykardie, Knöchelödeme, orthostatische Hypotonie.

    • Nifedipin erhöht die Mortalität bei KHK (Reflex-Tachykardie => erhöhter Sauerstoffverbrauch des Herzens).

  • Nicht-Dihydropyridine: Wirken am Herzen (Hypokard) und Gefäßen.

    • Beispiele: Verapamil, Diltiazem.

    • Wirkmechanismus: Negativ chronotrop, dromotrop, inotrop.

    • Indikationen: Chronisch stabile Angina pectoris (Alternative zu β-Blockern), supraventrikuläre Tachykardie, Vorhofflimmern.

    • Kontraindikationen: AV-Block, WPW-Syndrom mit Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz, Therapie mit β-Blockern (Risiko für AV-Block).

    • Nebenwirkungen: AV-Block, Herzinsuffizienz.

    • Nicht zur Therapie ventrikulärer Herzrhythmusstörungen geeignet.

Vasodilatatoren (zweite Wahl)

  • Beispiele: Hydralazin, Minoxidil.

  • Hydralazin darf in der Schwangerschaft eingesetzt werden.

  • Minoxidil kombiniert bei refraktärer arterieller Hypertonie.

Urapidil: Erste Wahl bei hypertonischer Krise nach Nitrat.

Diuretika: Klassen & Wirkmechanismen

Diuretika steigern die renale Natriumausscheidung, wodurch Wasser osmotisch gebunden und ausgeschieden wird.

Klassen der Diuretika nach Wirkort im Tubulus

  1. Carboanhydrasehemmer (proximaler Tubulus):

    • Beispiel: Acetazolamid.

    • Hemmen die Carboanhydrase. Nur schwach diuretisch wirksam.

    • Indikationen: Glaukom, Epilepsie, Höhenkrankheit.

  2. Schleifendiuretika (aufsteigender Ast der Henle-Schleife):

    • Beispiele: Furosemid, Torasemid.

    • Hemmen den Na+/K+/2Cl--Cotransporter. Stärkste Diuretika (30-40% der Na+-Rückresorption).

    • Ausscheidung: Na+, K+, Cl-, Mg2+, Ca2+.

    • Indikationen: Lungenödem, Hirnödem, Herzinsuffizienz, forcierte Diurese, Hyperkalzämie, chronische Ödeme.

    • Furosemid ist schnell wirksam, Torasemid hat eine längere Halbwertszeit.

    • Bioverfügbarkeit von Furosemid ist patientenabhängig und instabil.

  3. Thiaziddiuretika (früher distaler Tubulus):

    • Beispiel: Hydrochlorothiazid (HCT).

    • Hemmen den Na+/Cl--Cotransporter. Mäßig diuretisch wirksam (10-15%).

    • Ausscheidung: Na+, K+, Cl-, Mg2+ (Ca2+ wird retiniert).

    • Indikationen: Chronische Ödeme, arterielle Hypertonie (Osteoporose-Prävention bei Frauen), Hyperkalzämie.

  4. Kaliumsparende Diuretika (später distaler Tubulus & Sammelrohr):

    • Beispiele: Amilorid, Triamteren.

    • Hemmen den Na+-Kanal. Schwach diuretisch wirksam (2-4%).

    • Indikation: Kombination mit Schleifen-/Thiaziddiuretika zur Vermeidung von Hypokaliämie.

    • Keine Monotherapie.

  5. Aldosteronantagonisten (später distaler Tubulus & Sammelrohr):

    • Beispiele: Spironolacton, Eplerenon.

    • Kompetitive Antagonisten am intrazellulären Aldosteronrezeptor. Führen zu Na+-Ausscheidung und K+-Retention.

    • Indikationen: Aszites bei Leberinsuffizienz (sekundärer Hyperaldosteronismus), Conn-Syndrom (primärer Hyperaldosteronismus), Herzinsuffizienz.

    • Spironolacton kann Gynäkomastie verursachen, weshalb Eplerenon eine Alternative ist.

  6. Osmotische Diuretika:

    • Beispiel: Mannitol.

    • Wirken osmotisch, indem sie Wasser aus den Geweben in den Blutkreislauf ziehen. Nicht natriuretisch.

    • Indikationen: Hirnödem, Trauma, Schlaganfall (bei Einklemmungsgefahr), forcierte Diurese (Toxinausscheidung), Glaukom.

Allgemeine Nebenwirkungen von Schleifen- & Thiaziddiuretika

  • Hypovolämie, Hypokaliämie, sekundärer Hyperaldosteronismus.

  • LDL erhöht, HDL reduziert.

  • Glukosetoleranz reduziert, Harnsäure erhöht.

Kontraindikationen für Diuretika

  • Hypovolämie, Hypokaliämie, Anurie, akute Niereninsuffizienz.

  • Schwangerschaft und Stillzeit.

Kontraindikationen für Aldosteronantagonisten & K+-sparende Diuretika

  • Hyperkaliämie, schweres Nierenversagen (GFR <30 mL/min).

  • Keine Kombination mit ACE-Hemmern (Hyperkaliämie-Risiko).

Antiarrhythmika: Klassen, Indikationen & Nebenwirkungen

Antiarrhythmika werden zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Die Vaughan-Williams-Klassifikation unterteilt sie in vier Klassen.

Klasse I: Natriumkanalblocker

Hemmen den schnellen Natrium-Einstrom, verlangsamen die Erregungsleitung. Kontraindiziert nach Herzinfarkt und bei Herzinsuffizienz.

  • Klasse IA: Mäßige Leitungsverlangsamung, verlängern Repolarisation.

    • Beispiele: Procainamid, Chinidin.

    • Indikation: Supraventrikuläre Tachykardien, ventrikuläre Tachykardien.

    • Selten verwendet wegen proarrhythmischem Potenzial (Torsades de Pointes).

  • Klasse IB: Geringe Leitungsverlangsamung, verkürzen Repolarisation.

    • Beispiele: Lidocain, Phenytoin.

    • Indikation: Ventrikuläre Tachykardien.

    • Lidocain ist auch ein Lokalanästhetikum, Phenytoin ein Antiepileptikum.

  • Klasse IC: Starke Leitungsverlangsamung, kaum Effekt auf Repolarisation.

    • Beispiele: Ajmalin, Flecainid.

    • Indikation: Supraventrikuläre Tachykardie (Ajmalin/Prajmalin bei WPW, Flecainid bei Vorhofflimmern).

    • Kontraindikationen: Frischer Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, verlängerte QT-Zeit, Restinfarkt (Flecainid).

Klasse II: Betablocker

Reduzieren die Herzfrequenz und kontraktilität.

  • Indikationen: Sinustachykardie, supraventrikuläre Tachykardie (z.B. bei Hyperthyreose), Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern, ventrikuläre Tachykardie, Prophylaxe von Herzrhythmusstörungen bei MI und Herzinsuffizienz.

  • Kontraindikationen: Asthma bronchiale, AV-Block (II, III), dekompensierte Herzinsuffizienz.

Klasse III: Kaliumkanalblocker

Verlängern die Repolarisation durch Blockade von Kaliumkanälen.

  • Amiodaron:

    • Anwendung: bei Versagen anderer Antiarrhythmika, Rhythmisierung und Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern, WPW-Syndrom, Kammerflimmern.

    • Therapieablauf: Hochdosierung über einige Tage (600-1000 mg/Tag) zur Aufsättigung, dann Erhaltungsdosis (200-400 mg/Tag). QT-Zeit im EKG kontrollieren.

    • Nebenwirkungen: Schilddrüsenfunktionsstörungen (Hyper-/Hypothyreose, Amiodaron enthält Jod), Lungenfibrose (Husten, Atemnot), Leberschädigung.

    • Kontraindikationen: Schilddrüsenerkrankungen, Jodallergie, Sinusbradykardie, AV-Block, QT-Verlängerung.

    • Vorteile: Hohe Wirksamkeit, auch bei schwer kranken Patienten (Herzinsuffizienz, Herzinfarkt).

  • Dronedaron:

    • Vorteile: Weniger toxisch als Amiodaron, bevorzugt bei stabilen Patienten.

    • Nachteile: Weniger wirksam, Kontraindikationen bei Herzinsuffizienz und strukturellen Herzerkrankungen.

Klasse IV: Kalziumkanalblocker (Nicht-Dihydropyridine)

Verlangsamen die Erregungsleitung im AV-Knoten und reduzieren die Herzfrequenz.

  • Beispiele: Verapamil, Diltiazem.

  • Indikationen: Supraventrikuläre Tachykardie, Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern.

  • Kontraindikationen: WPW-Syndrom, Herzinsuffizienz, Kombination mit Betablockern (Risiko für AV-Block).

  • Nicht für ventrikuläre Rhythmusstörungen geeignet.

Weitere Antiarrhythmika

  • Atropin: Muskarinrezeptor-Antagonist (Parasympatholytikum).

    • Positiv chronotrop und dromotrop.

    • Indikation: Sinusbradykardie, AV-Block.

    • Dosierung: 0,5 mg i.v. alle 3-5 Minuten bis max. 3 mg.

  • Digitalisglykoside:

    • Positiv inotrop, negativ chronotrop und dromotrop.

    • Indikation: Vorhofflimmern (mit chronischer Herzinsuffizienz).

    • Reservemittel bei Herzinsuffizienz.

    • Geringe therapeutische Breite.

    • Aufsättigung: Schnelle Frequenzkontrolle.

      • Digoxin: 3 Tage zweifache Tagesdosis, dann Erhaltungsdosis (0.25-0.2 mg). Kürzere HWZ (1.7 Tage), renal eliminiert.

      • Digitoxin: 3 Tage dreifache Tagesdosis, dann Erhaltungsdosis (0.1-0.2 mg). Längere HWZ (6.7 Tage), hepatobiliär eliminiert (besser bei Niereninsuffizienz).

    • Nebenwirkungen: Bradykardie, AV-Block, QT-Zeit-Verkürzung (ST-Senkung), ventrikuläre Tachykardie (bis Kammerflimmern), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Farbstörungen.

    • Kontraindikationen: AV-Block, WPW-Syndrom, frischer Herzinfarkt, Myokarditis, HOCM, Hypokaliämie, Hyperkalzämie, Niereninsuffizienz (Digoxin), Leberinsuffizienz (Digitoxin).

    • Intoxikation:

      • Bradykardie: Atropin.

      • Ventrikuläre Arrhythmie: Lidocain/Phenytoin (kein Amiodaron).

      • Hyperkaliämie: Glukose-Insulin-Infusion.

      • Digitalis-Antikörper.

  • Adenosin:

    • HWZ unter 10 Sekunden, führt zu kurzfristigem AV-Block.

    • Indikation: Reentry-Tachykardien (diagnostisch und therapeutisch), unterbricht diese.

    • Wirkt nicht bei Vorhofflimmern oder -flattern (Erregungsquelle außerhalb des AV-Knotens).

    • Dosierung: 6 mg i.v. bis max. 18 mg.

    • Kontraindikationen: Asthma bronchiale, Sick-Sinus-Syndrom, AV-Block (II, III).

  • Ivabradin:

    • Senkt die Herzfrequenz ohne am AV-Knoten oder Ventrikel zu wirken.

    • Alternative Therapie, wenn Betablocker kontraindiziert sind.

Antidiabetika: Insulin, Orale Antidiabetika & andere Therapieansätze

Insulin

Insulinpräparate ersetzen endogenes Insulin zur Senkung von Blutzucker und Fettsäuren und zur Steigerung der Proteinsynthese.

  • Wirkmechanismus:

    1. Bindung an Insulinrezeptoren.

    2. Erhöhte Glukoseaufnahme (in Fett- und Muskelzellen).

    3. Glykogensynthese.

    4. Hemmung der Glukoneogenese.

    5. Lipogenese und Proteinsynthese.

  • Indikationen: Diabetes mellitus Typ 1, fortgeschrittener Typ 2, Gestationsdiabetes, Pankreasoperationen/-erkrankungen (DM Typ 3c).

  • Insulin-Typen (unterscheiden sich in Wirkungsbeginn und -dauer):

    • Kurzwirksames Insulin (Bolusinsulin): Actrapid (Humaninsulin, Wirkbeginn 30-60 min, Dauer 3-5 h).

    • Schnellwirksames Insulin (Insulinanaloga): Lispro, Aspart (Wirkbeginn 10-20 min).

    • Verzögert wirksames Insulin (Basalinsulin):

      • Intermediär wirksames Insulin: NPH-Insulin (Wirkdauer 12-18 h).

      • Langwirksames Insulin: Glargin (Lantus, Toujeo), Degludec (Tresiba) (Wirkdauer 24-42 h).

    • Mischinsulin (Kombinationsinsulin): 30/70 (oft bei DM Typ 2, 1-3x täglich).

      • Humalog (Lispro + NPH), Novomix (Aspart + Aspart-Protamin).

    • Bei akuten Stoffwechselentgleisungen: Normalinsulin (Humaninsulin).

    • Basalinsulin: Abdeckung des basalen Insulinbedarfs.

    • Inhalatives Insulin existiert (schnellwirksam).

  • Nebenwirkungen:

    • Hypoglykämie: Ursachen können fehlende Nahrungsaufnahme nach Injektion, verstärkte körperliche Aktivität, falsche Dosisberechnung, Alkoholaufnahme sein.

    • Lipodystrophie an der Injektionsstelle.

    • Insulinresistenz.

    • Morgendliche Hyperglykämie (verzögertes Insulin nur morgens).

    • Somogyi-Effekt: Abendliche Dosis zu hoch → nächtliche Hypoglykämie → reaktive Hyperglykämie. Therapie: Abendliche Dosis reduzieren.

    • Dawn-Phänomen: Erhöhter nächtlicher Insulinbedarf durch Wachstumshormone. Therapie: Abendliche Dosis erhöhen.

Insulintherapie-Schemata

  1. Konventionelle Insulintherapie (CT): Mischinsulin 2x täglich (oft bei älteren Menschen, DM Typ 2).

  2. Intensivierte Insulintherapie (ICT): Basalinsulin 1x täglich, Bolusinsulin zu den Mahlzeiten (Goldstandard für DM Typ 1). Flexibel, aber hohes Hypoglykämie-Risiko, mehr Injektionen nötig.

  3. Supplementäre Insulintherapie: Kombination aus oralen Antidiabetika und Mahlzeiteninsulin (bei DM Typ 2, wenn Tabletten nicht ausreichen).

  4. Basal-Insulintherapie (BOT): Basal unterstützte orale Therapie (häufig bei DM Typ 2). Wenig Hypoglykämie-Risiko (nur 1 Injektion pro Tag).

  5. Insulinpumpentherapie (CSII): Kontinuierliche subkutane Insulininfusion (Basalinsulin), Bolusgaben individuell zu den Mahlzeiten. Sehr flexibel, aber hoher technischer Aufwand. Besonders bei instabilem Blutzucker bei DM Typ 1.

Orale Antidiabetika

  1. Biguanide:

    • Beispiel: Metformin.

    • Wirkmechanismus: Verbessert Insulinempfindlichkeit in Zellen, vermindert Glukose-Sekretion, verbessert Glukoseaufnahme in die Muskulatur (nicht Fettgewebe) → Gewichtsreduktion. Hemmt Glukoneogenese (keine Umwandlung von Laktat in Glukose → Laktatspiegel steigt), vermindert intestinale Glukoseresorption.

    • Unerwünschte Wirkungen: Laktatazidose (Letalität 50% bei pH <7.3), gastrointestinale Beschwerden (Laktatproduktion und -akkumulation im Darm, Beeinflussung der Darmflora, verzögerte Darmentleerung durch GLP-1-Stimulation).

    • Kontraindikationen: Alle azidotischen/hypoxischen Zustände (Herz-, Leber-, Nieren-, respiratorische Insuffizienz), Schwangerschaft (aber in Stillzeit verwendbar). Absetzen 48h vor OP/radiologischen Untersuchungen (Nieren).

    • Verursacht keine Hypoglykämie, da keine direkte Insulinfreisetzung.

  2. Sulfonylharnstoffe & Glinide:

    • Beispiele: Glibenclamid, Glimepirid (Sulfonylharnstoffe), Repaglinid, Nateglinid (Glinide).

    • Wirkmechanismus: Hemmen Kaliumkanäle der Beta-Zellen → K+ intrazellulär → Depolarisation → Ca2+-Einstrom → Insulinsekretion.

    • Indikationen: DM Typ 2, wenn Metformin kontraindiziert oder zur Kombinationstherapie. Glinide sind schnell und kurzwirksam, Sulfonylharnstoffe langwirksam.

    • Unerwünschte Wirkungen: Hypoglykämie (insulinsekretion unabhängig vom Blutzuckerspiegel), Hyperinsulinämie und Gewichtszunahme, gastrointestinale Störungen, selten allergische Reaktionen (Kreuzallergie mit ATB, Thiaziddiuretika).

    • Kontraindikationen: Alle akuten diabetischen Stoffwechselentgleisungen, Schwangerschaft, Stillzeit, Niereninsuffizienz, perioperativ.

  3. Glitazone (PPARγ-Agonisten):

    • Beispiel: Pioglitazon.

    • Wirkmechanismus: Steigern die Insulinsensitivität in Leber, Muskeln und Fettgewebe. Senken Insulinspiegel (durch erhöhte Insulinempfindlichkeit). Verursachen keine Hypoglykämie.

    • Unerwünschte Wirkungen: Gewichtszunahme, Wasserretention.

    • Kontraindikationen: Schwangerschaft und Stillzeit, Herz-, Leber-, Niereninsuffizienz.

  4. Alpha-Glukosidase-Hemmer:

    • Beispiele: Acarbose, Miglitol.

    • Wirkmechanismus: Verzögern den Kohlenhydratabbau im Darm → langsamere Glukoseaufnahme → postprandiale Blutzuckerspitzen flachen ab.

    • Indikationen: DM Typ 2 (selten auch DM Typ 1 als Zusatztherapie).

    • Acarbose wird praktisch nicht intestinal resorbiert (nicht empfohlen bei Darmproblemen).

  5. SGLT2-Inhibitoren:

    • Beispiele: Dapagliflozin, Empagliflozin.

    • Wirkmechanismus: Hemmung von SGLT2 (Sodium-dependant Glucose Transporter) → keine Rückresorption von Glukose im proximalen Tubulus → erhöhte Glukosurie und Blutzuckersenkung.

    • Verursachen keine Hypoglykämie, sind aber von der Nierenfunktion abhängig.

    • Unerwünschte Wirkungen: Erhöhen Risiko für Harnwegsinfektionen und Genitalpilzinfektionen.

    • Kontraindikationen: Niereninsuffizienz, Kombination mit Schleifendiuretika, Schwangerschaft und Stillzeit.

  6. DPP-4-Hemmer (Gliptine):

    • Beispiel: Sitagliptin.

    • Wirkmechanismus: Inkretine fördern die Insulinsekretion nach Glukoseaufnahme, werden aber von DDP4 abgebaut. DDP4-Hemmer verlängern die Wirkung von Inkretinen → verstärkte Insulinsekretion.

    • Wirken glukoseabhängig → verursachen keine Hypoglykämie.

    • Indikation: Auch als Monotherapie möglich.

    • Kontraindikationen: Schwangerschaft und Stillzeit.

  7. Inkretinmimetika (GLP-1-Analoga):

    • Beispiele: Liraglutid, Semaglutid.

    • Wirkmechanismus: Verstärken die Insulinsekretion.

    • Subkutan injiziert (nicht oral).

    • Nicht bei DM Typ 1 zugelassen.

    • Auch bei Adipositas indiziert (Semaglutid).

    • Kombinationstherapie bei DM Typ 2: Metformin + SGLT2 / GLP-1-Analoga, ggf. + Basalinsulin.

Opioide: Analgetika & deren Eigenschaften

Opioide sind eine Medikamentengruppe zur Schmerztherapie, die an Opioidrezeptoren im ZNS binden: µ (Mu), κ (Kappa) und δ (Delta). Sie hemmen die Schmerzübertragung im Rückenmark und verstärken die Endorphinwirkung.

Klassifikation der Opioide

  1. Reine Agonisten: Volle Aktivierung der Rezeptoren.

    • Schwache Opioide: Codein, Tramadol, Tilidin.

    • Starke Opioide: Morphin, Oxycodon, Fentanyl.

  2. Partielle Agonisten: Gemischte Wirkung (einige Rezeptoren aktivieren/blockieren).

    • Beispiel: Buprenorphin.

  3. Agonisten-Antagonisten:

    • Beispiele: Nalbuphin, Pentazocin.

  4. Reine Antagonisten: Blockieren die Wirkung von Opioiden (Antidot).

    • Beispiele: Naloxon, Naltrexon.

Endogene Agonisten (Endorphin, Enkephalin, Dynorphin) sind international nicht resorbiert und nicht ZNS-gängig, daher therapeutisch nicht verwendet.

Unerwünschte Wirkungen & Wechselwirkungen

  • Zentral: Analgetisch, atemdepressiv, sedativ-hypnotisch, euphorisch, antitussiv.

  • Initial emetisch, dann antiemetisch (Gabe mit Antiemetika empfohlen).

  • Peripher: Erhöhung des Tonus der glatten Muskulatur (außer Gefäßen) → RR-Senkung.

  • Obstipation (Gabe von Laxativa bei langfristiger Opioidtherapie empfohlen: osmotische wie Macrogol, stimulierende wie Bisacodyl).

  • Harnverhalt.

  • Allgemein: Abhängigkeitsrisiko, Entzugssymptome, Atemdepression.

  • Keine Opioid-Kombinationen! Die Gabe von Buprenorphin schwächt die Wirkung von Morphin.

Indikationen

  • Starke akute und chronische Schmerzen.

  • Palliativmedizin (Krebspatienten).

  • Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit (Methadon, Buprenorphin).

  • Hustenstillung (Codein).

  • Dyspnoe bei COPD, Lungenfibrose (durch Senkung der Atemfrequenz und Verbesserung der Atemeffizienz → Senkung des Sauerstoffbedarfs).

Kontraindikationen

  • Schwangerschaft und Ileus (absolut).

  • Schädel-Hirn-Trauma (erhöhter Hirndruck).

  • Hypotonie bei Hypovolämie.

Antidote & Entzugssymptome

  • Naloxon:

    • Antidot bei Opioid-Überdosierung.

    • Initial 0.4-2 mg i.v. alle 2 Minuten, max. 10 mg.

    • Naloxon ist nicht wirksam bei Buprenorphin (Alternative: Doxapram).

    • Naloxon ist oral nicht resorbiert (hoher First-Pass-Effekt) → zur Vermeidung von Missbrauch in Kombinationspräparaten.

  • Entzugssymptome (motorische Unruhe, Schlafstörungen, Dysphorie, Spontanschmerzen, Mydriasis, Schwitzen, Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen):

    • Therapie: Clonidin (zentraler α2-Agonist).

WHO-Stufenschema der Schmerztherapie

  1. Stufe: Nicht-Opioid-Analgetika (Paracetamol, Metamizol, NSAID) +/- Adjuvantien.

  2. Stufe: Schwache Opioid-Analgetika (Tramadol, Codein, Tilidin) + Nicht-Opioid-Analgetika +/- Adjuvantien.

  3. Stufe: Starke Opioid-Analgetika (Morphin, Buprenorphin, Methadon, Oxycodon, Fentanyl) + Nicht-Opioid-Analgetika +/- Adjuvantien.

Adjuvantien: Antidepressiva, Neuroleptika, Glukokortikoide, Benzodiazepine.

Nicht-Opioid-Analgetika: COX-Inhibitoren & andere

Diese Medikamente wirken auf unterschiedliche Weise und werden oft bei leichten bis mäßigen Schmerzen eingesetzt.

Wirkmechanismen der COX-Inhibitoren

  • COX-1: Relevant für Magen-, Nieren-Schutz, Thrombozytenfunktion (Thromboxane).

  • COX-2: Relevant für Entzündungen und Schmerzen bei Entzündungen.

  • Prostaglandine: Spielen eine Rolle bei Entzündungen und Schmerzen, Magenschleimhaut-Regulation, Nierenfunktion und Wehen.

Paracetamol & Metamizol

  • Wirkmechanismus: Hemmen die Prostaglandinsynthese (v.a. im ZNS), haben aber kaum periphere entzündungshemmende Wirkung. Analgetisch und antipyretisch, aber nicht antiphlogistisch.

  • Paracetamol:

    • Indikation: Leichte Schmerzen und Fieber.

    • Maximaltagesdosis: 4g.

    • Toxische Dosis: 6-8g (150 mg/kg).

    • Intoxikation: Leberschäden (Ikterus, Tremor, Foetor, Enzephalopathie). Antidot: N-Acetylcystein (300 mg/kg i.v.).

  • Metamizol:

    • Zusätzlich spasmolytisch.

    • Stärkstes Nicht-Opioid-Analgetikum.

    • Indikation: Akute starke Schmerzen und Fieber, spastische Schmerzen und Koliken.

    • Unerwünschte Wirkungen: Interstitielle Nephritis, Hepatitis, Hämolyse, Agranulozytose (Blutbildkontrolle nötig), anaphylaktische Reaktionen, Hypotonie.

    • Metamizol i.v. muss immer verdünnt werden (Risiko für anaphylaktische Reaktionen, Angioödem, Herzrhythmusstörungen).

Nicht-Steroidale Antiphlogistika (NSAID)

  • Klassische NSAID (unselektive COX-Hemmer):

    • Beispiele: ASS, Ibuprofen, Diclofenac.

    • Blockieren COX-1 und COX-2.

    • Indikationen: Schmerzen (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, ASS), Fieber, entzündliche Erkrankungen (rheumatoide Arthritis), Dysmenorrhö, Nieren-/Harnleiterkoliken, Wehenhemmung (Indometacin).

    • Unerwünschte Wirkungen: Magenschleimhautschäden, Nierenschäden (ANV, interstitielle Nephritis), Asthmaanfall, Verlängerung von Schwangerschaft und Blutungszeit, Reye-Syndrom (ASS bei Kindern mit Virusinfektionen).

    • Kontraindikationen: Magen-Darm-Ulkus, Nierenschäden, Asthma, 3. Trimenon der Schwangerschaft.

    • ASS kann nicht zur Thromboprophylaxe von Beinvenenthrombosen (TVT) eingesetzt werden.

  • Selektive COX-2-Hemmer (Coxibe):

    • Beispiele: Celecoxib, Etoricoxib.

    • Blockieren spezifisch COX-2. Reduzieren Magen-Darm-Nebenwirkungen, aber kardiovaskuläre Probleme bleiben.

    • Unerwünschte Wirkungen: Herzinfarkt, Schlaganfall, Ödeme.

    • Kontraindikationen: KHK, Herzinsuffizienz.

Anästhesie: Analgesie, Hypnose & Muskelrelaxation

Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)

Dient der temporären und reversiblen Ausschaltung von Bewusstsein, Schmerzempfindung und vegetativer Reaktion.

Inhalationsanästhetika

  • Anorganische Gase: Lachgas (Distickstoffmonoxid N2O).

  • Flurane: Isofluran, Desfluran, Sevofluran (Halothan nicht mehr verwendet).

Injektionsanästhetika

  • Barbiturate: Thiopental (GABA-Agonisten).

  • Nicht-Barbiturate: Propofol.

  • NMDA-Antagonisten: Ketamin (erhält Atemreflexe → Notfallmedizin).

  • Benzodiazepine: Midazolam, Diazepam.

Indikationen

  • Einleitung der Narkose: Propofol (2 mg/kg i.v.).

  • Aufrechterhaltung der Narkose: Sevofluran (1% Inhalation).

  • Notfallmedizin und Schockbehandlung: Ketamin (1 mg/kg).

  • Kurze Eingriffe oder Sedierung: Midazolam, Propofol (0,1 mg/kg).

Nebenwirkungen

  • Blutdrucksenkung (außer Ketamin: RR-Anstieg).

  • Atemdepression.

  • Übelkeit und Erbrechen (PONV).

  • Allergische Reaktionen.

Lokalanästhetika

  • Beispiele: Ropivacain, Bupivacain, Lidocain.

  • Anwendung: Lokalanästhesie, Regionalanästhesie (Augentropfen, Periduralanästhesie).

  • Alle Lokalanästhetika sind Vasodilatatoren.

  • Wirkungsdauer: Durch Zusatz von Vasokonstriktoren verlängert.

  • Keine Vasokonstriktoren in Akren verwenden (Minderdurchblutung → Nekrose-Risiko).

Muskelrelaxanzien

Für die Narkose sind peripher wirksame Muskelrelaxanzien wichtig.

  • Depolarisierende:

    • Beispiel: Suxamethonium (1 mg/kg).

    • Dauerdepolarisation (Agonisten an Nikotinrezeptoren).

    • Sehr schnelle Wirkung, aber kurze Wirkdauer (10 min).

    • Indikation: Notfallintubation.

    • Risiko: Maligne Hyperthermie.

  • Nicht-depolarisierende:

    • Beispiele: Rocuronium, Atracurium.

    • Kompetitive Hemmung der Acetylcholinrezeptoren → keine Depolarisation.

    • Indikationen: Operationen, Tetanus, Tollwut.

  • Dekurarisierung: Aufhebung der Muskelrelaxation.

    • Beispiele: Neostigmin (+ Atropin gegen Nebenwirkungen), Sugammadex.

Narkoseablauf (Standardprozedere)

  1. Präoxygenierung: 100% Sauerstoff.

  2. Analgesie und Sedierung: Sufentanil + Midazolam.

  3. Narkoseeinleitung: Propofol oder Thiopental.

  4. Muskelrelaxation: Suxamethonium oder Rocuronium/Atracurium.

  5. Intubation.

  6. Aufrechterhaltung der Narkose: Sevofluran, Sufentanil, Rocuronium oder Propofol i.v.

  7. Beendigung der Narkose: Narkosegase abstellen, Extubation, Dekurarisierung.

  • TIVA (Totale intravenöse Anästhesie): Aufrechterhaltung mit Propofol bei kurzen Operationen.

  • PONV (Postoperative Nausea und Vomiting): Häufig bei Inhalationsnarkotika. Prophylaxemaßnahmen: Dexamethason, Metoclopramid, Scopolamin (Anticholinergikum).

Antipsychotika (Neuroleptika): Klassen & Wirkungen

Medikamente zur Behandlung von psychotischen Störungen (Schizophrenie, bipolare Störung). Wirken primär auf das dopaminerge System im Gehirn (Blockade von Dopamin-D2-Rezeptoren).

Klassische (Typische) Antipsychotika

Starke Blockade von Dopamin-D2-Rezeptoren, sehr wirksam, aber hohes Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen (EPS).

  • Hochpotent: Starke D2-Blockade, wenig Sedierung.

    • Beispiel: Haloperidol.

    • Nebenwirkung: Hyperprolaktinämie.

  • Mittelpotent: Weniger D2-Blockade, stärkere Sedierung.

    • Beispiel: Risperidon (auch atypical).

Atypische Antipsychotika (zweite Generation)

Wirken auf D2-Rezeptoren + Serotonin-Rezeptoren (5-HT2A). Geringeres Risiko für EPS.

  • Beispiele: Risperidon, Quetiapin, Clozapin.

  • Clozapin: Benötigt Blutbildkontrolle (Risiko Agranulozytose).

Indikationen

  • Schizophrenie.

  • Bipolare Störung (manische Episoden).

  • Demenzen (bestimmte Neuroleptika, z.B. Risperidon, Quetiapin).

  • Gilles-de-la-Tourette-Syndrom.

Unerwünschte Wirkungen

  • EPS: Frühdyskinesie, Spätdyskinesie, Parkinsonoid.

  • Vegetative Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Obstipation, Harnverhalt.

  • Gewichtszunahme und erhöhte Blutfettwerte.

  • Hyperprolaktinämie (Gynäkomastie, Amenorrhoe).

  • Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS): Fieber, Rigor, Bewusstseinsstörung (selten, aber lebensbedrohlich).

Therapie von Nebenwirkungen

  • EPS: Antiparkinsonmittel (Biperiden).

  • MNS: Benzodiazepine.

Antidepressiva: Klassen & Anwendungen

Medikamente zur Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Störungen. Wirken auf Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn, regulieren Stimmung, Emotionen und Antrieb, verursachen aber keine Euphorie.

Die Wirkung setzt oft erst nach 2-6 Wochen ein, der antriebssteigernde Effekt aber schneller, was das Suizidrisiko erhöhen kann (kurzfristige Benzodiazepin-Gabe kann indiziert sein).

Behandlungsdauer: Erster Schub 6-12 Monate (Wiederholung 2 Jahre), chronische Depression lebenslange Therapie.

Klassen von Antidepressiva

  • Trizyklische Antidepressiva (TZA):

    • Hemmen die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin.

    • Unerwünschte Wirkungen: Anticholinerge und kardiotoxische Effekte (QT-Zeit-Verlängerung).

    • Beispiele: Doxepin, Amitriptylin.

    • Intoxikation: Physostigmin + Betablocker + Diazepam.

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI):

    • Beispiele: Sertralin, Citalopram, Escitalopram.

    • Unerwünschte Wirkungen: Sexualstörungen, QT-Zeit-Verlängerung.

  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI):

    • Beispiele: Venlafaxin, Duloxetin.

    • Unerwünschte Wirkungen: QT-Zeit-Verlängerung.

  • Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI):

    • Beispiel: Bupropion (bei ADHS).

  • Noradrenerge und spezifisch serotonerge Antidepressiva (NaSSA):

    • Beispiel: Mirtazapin.

  • Serotonin-Antagonisten und -Wiederaufnahmehemmer (SARI):

    • Beispiel: Trazodon (bei Schlafstörungen).

  • MAO-Hemmer:

    • Beispiel: Moclobemid.

    • Können hypertensive Krisen verursachen (Tyramin-reiche Nahrung wie Käse, Rotwein).

    • Risiko für Serotonin-Syndrom (Hyperreflexie, Unruhe, Fieber) bei Kombination mit anderen serotonergen Substanzen.

    • QT-Zeit-Verlängerung, Torsades-de-Pointes-Risiko.

Serotonin-Syndrom

Lebensbedrohliche serotonerge Überaktivität bei Überdosierung oder Kombination von Antidepressiva.

  • Klinik: Fieber, Hypertonie, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Delir, psychomotorische Unruhe, Angst, Hyperreflexie, Myoklonien, Tremor, Ataxie.

  • Therapie: Absetzen der Medikamente, symptomatische Behandlung (Lorazepam, Propranolol).

Indikationen für Antidepressiva

  • Depressionen (Vorsicht bei bipolaren Störungen: Manierisiko, v.a. TZA).

  • Angststörungen und soziale Phobien.

  • Zwangsstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen (OCD, PTBS).

  • Chronische Schmerzen (als Adjuvantien).

  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Lithium

  • Beispiele: Lithiumcarbonat, Lithiumacetat.

  • Indikation: Bipolare Störungen (Stimmungsstabilisierung, Abschwächung der Psychose), prophylaktisch gegen Rezidive und Suizid (nach 6 Monaten).

  • Enge therapeutische Breite, erfordert Drug Monitoring und Kontrolle.

  • Intoxikation: Tremor, Erbrechen, Diarrhö, Sprachstörung bis Koma. Therapie: Forcierte Diurese oder Dialyse.

  • Medikamente, die Lithiumspiegel erhöhen: Diuretika, ACE-Hemmer, NSAID.

Benzodiazepine & Z-Substanzen: Anxiolyse, Hypnose, Antikonvulsiva

Benzodiazepine binden an GABAA-Rezeptoren und erhöhen die Affinität für GABA, was eine Vielzahl von Wirkungen zur Folge hat.

Wirkung

  • Anxiolytisch (angstlösend).

  • Zentral muskelrelaxierend.

  • Antikonvulsiv (krampflösend).

  • Sedativ-hypnotisch (beruhigend, schlaffördernd).

Wirkdauer

  • Kurzwirksam (2-4 h): Midazolam.

  • Mittellang wirksam (6-24 h): Oxazepam.

  • Langwirksam (>24 h): Diazepam (Valium), Lorazepam.

Indikationen

  • Angststörungen und Panikattacken.

  • Muskelrelaxation (Diazepam).

  • Epilepsie und Krampfanfälle (Status epilepticus).

  • Sedierung vor Operationen (Midazolam).

  • Alkoholentzug und Delirium tremens (Chlomethiazol, Distraneurin).

Unerwünschte Wirkungen

  • Abhängigkeitspotenzial (und Rebound-Effekt beim Absetzen nach längerem Gebrauch).

  • Atemdepression (v.a. in Kombination mit anderen ZNS-dämpfenden Substanzen).

  • Paradoxe Reaktionen (Unruhe, Aggressivität).

  • ZNS-Dämpfung (Müdigkeit, Ataxie, Sprachstörung, Gedächtnisstörung).

  • Gewichtszunahme.

Intoxikation

  • Atemdepression.

  • Antidot: Flumazenil (0.2 mg i.v., dann 0.1 mg).

Z-Substanzen

  • Beispiele: Zolpidem, Zopiclon.

  • Werden primär als Schlafmittel eingesetzt.

Antibiotika: Klassifikation, Wirkungsweisen & Anwendungen

Antibiotika können nach Wirkmechanismus (bakterizid/bakteriostatisch), Wirkungsspektrum oder chemischem Aufbau klassifiziert werden.

Beta-Lactam-Antibiotika

Bakterizid, hemmen die Zellwandsynthese. Viele Penicilline sind nicht β-Lactamase-stabil und werden mit β-Lactamase-Inhibitoren kombiniert (Clavulansäure, Sulbactam, Tazobactam).

  • Penicilline:

    • Klassische: Penicillin G (i.v.), Penicillin V (p.o.). Wirksam gegen Streptokokken, Pneumokokken, Meningokokken, Gonokokken (Gram+). Anwendung: Angina tonsillaris, Erysipel.

    • Depotpenicilline (i.m.): Zur Rezidivprophylaxe des rheumatischen Fiebers.

    • Penicillinase-feste: Flucloxacillin (wirksam gegen Penicillinase-produzierende Staphylokokken). Anwendung: Endokarditis, Osteomyelitis durch Staphylokokken.

    • Aminopenicilline: Amoxicillin, Ampicillin (Gram+ und einige Gram-). Anwendung: Pneumonie, Harnwegsinfekt (auch in Schwangerschaft).

    • Breitspektrumpenicilline: Piperacillin (Pseudomonas, Enterobacter). Anwendung: Schwere Infektionen (Sepsis, Peritonitis).

    • Nebenwirkungen: Allergien, makulopapulöses Exanthem bei infektiöser Mononukleose.

  • Cephalosporine: 5 Generationen. Alle unwirksam gegen Enterokokken.

    • Gruppe 1: Cefazolin (i.v.). Gram+ und einige Gram- (E. coli). Anwendung: Ambulant erworbene Infektionen, perioperative Prophylaxe.

    • Gruppe 2: Cefuroxim (i.v., p.o.). Besser gegen Gram- (Atemwegsinfekte).

    • Gruppe 3: Cefotaxim (i.v.). Sehr gut gegen Gram- (Meningitis).

    • Gruppe 4: Cefepim (i.v.). Wirksam gegen Pseudomonas. (Gruppe 3 & 4 bei schweren Infektionen).

    • Gruppe 5: Ceftarolin (i.v.). Breites Spektrum (MRSA-wirksam +++). Anwendung: Komplizierte Infektionen, MRSA.

    • Nebenwirkungen: Nephrotoxisch, neurotoxisch, Allergien (10% Kreuzallergie mit Penicillinen).

  • Carbapeneme: Imipenem, Meropenem. Breitscherspektrum, β-Lactamase-fest (wirksam gegen ESBL, aber nicht gegen KPC/NDM).

Aminoglykoside

  • Beispiele: Gentamicin, Streptomycin (nur i.v.).

  • Breites Wirkungsspektrum, aber enge therapeutische Breite (Drug Monitoring).

  • Anwendung: Gentamicin (schwere Infektionen, Pseudomonas), Streptomycin (Kombinationstherapie Tuberkulose), Neomycin (Hautinfektionen).

  • Sinnvolle Kombination mit Beta-Lactamen.

  • Nebenwirkungen: Nephrotoxisch, ototoxisch.

  • Vorsicht bei Kombination mit Furosemid (ototoxisch) und Cephalosporinen (nephrotoxisch).

Makrolide

  • Beispiele: Erythromycin, Clarithromycin, Azithromycin.

  • Anwendung: Alternative bei Penicillinallergie (Tonsillitis, Otitis, Scharlach). Erythromycin auch als Prokinetikum. Spiramycin bei Toxoplasmose.

  • Nebenwirkungen: Lebertoxizität (über Cytochrom P450 metabolisiert), Rhabdomyolyse (Kombination mit Statinen), QT-Zeit-Verlängerung.

Lincosamide

  • Beispiel: Clindamycin.

  • Ähnlicher Wirkmechanismus wie Makrolide, aber erreicht gut Knochengewebe.

  • Anwendung: Staphylokokken-Osteomyelitis, Anaerobier-Infektionen (Abszesse), Endokarditisprophylaxe.

Tetracycline

  • Beispiele: Tetracyclin, Doxycyclin.

  • Breites Wirkungsspektrum. Reichern sich in Knochen und Zähnen an.

  • Unerwünschte Wirkungen: Zahnverfärbungen, Wachstumsstopp des Knochens, Photosensibilität.

  • Kontraindikationen: Kinder und Schwangerschaft.

Fluorchinolone

  • Beispiele: Norfloxacin (Gruppe I), Ciprofloxacin (Gruppe II), Levofloxacin (Gruppe III), Moxifloxacin (Gruppe IV).

  • Anwendung: Pneumonie, Bronchitis, Harnwegsinfektionen. Ciprofloxacin nicht gut wirksam gegen Pneumokokken (keine Monotherapie).

  • Nebenwirkungen: Knorpelschäden in Wachstumsphase (KI bei Kindern und Schwangerschaft), Unruhezustände, Albträume, Schlaflosigkeit (neurotoxisch), QT-Zeit-Verlängerung, Hypoglykämisches Koma, Bänder- und Muskelrisse, Lebertoxizität.

  • Rasche Resistenzbildung → Medikamente der 2. Wahl.

Sulfonamide & Diaminopyrimidine

  • Beispiel: Co-Trimoxazol (Sulfamethoxazol + Trimethoprim).

  • Anwendung heute fast nur noch in Kombination.

  • Anwendung: Harnwegsinfektionen, Gastroenteritis, Pneumonien.

  • Nebenwirkungen: Nephrotoxisch, phototoxisch, Allergien.

Chloramphenicol

  • Breites Spektrum, aber schwere Nebenwirkungen.

  • Anwendung: Typhus, Meningitis.

  • Nebenwirkungen: Irreversible Knochenmarksaplasie, reversible Knochenmarkdepression, Herxheimer-Reaktion (Schock).

Glykopeptidantibiotika

  • Beispiel: Vancomycin.

  • Reserveantibiotikum, Drug Monitoring notwendig.

  • Anwendung: Schwere Infektionen mit multiresistenten Stämmen (MRSA +++), Clostridium difficile Infektionen (p.o. bei Wirkung im Darm).

  • Nebenwirkungen: Nephrotoxisch, ototoxisch, Red-Man-Syndrom.

Metronidazol

  • Anwendung: Anaerobier- und Protozoeninfektionen, Sigmadivertikulitis, Gastritis/Ulkus (Helicobacter pylori), Morbus Crohn (immunsuppressiver Effekt).

  • Nebenwirkungen: Verzögerter Alkoholabbau (Alkoholunverträglichkeit), neurotoxisch (ZNS-gängig bei Meningitis), hepatotoxisch.

Ansamycine

  • Beispiele: Rifampicin, Rifabutin (HIV-Patienten).

  • Wirksam gegen MRSA und VRE.

Oxazolidinone

  • Beispiele: Linezolid, Tedizolid.

  • Wirksam gegen MRSA und VRE.

Weitere Antibiotika

  • Fosfomycin: Reserveantibiotikum gegen Staphylokokken.

  • Fusidinsäure: Lokaltherapie (Haut, Konjunktiva).

  • Mupirocin: Nasensalbe zur MRSA-Elimination.

Antibiotika-Kontraindikationen in der Schwangerschaft: Aminoglykoside, Tetracycline, Fluorchinolone, Chloramphenicol, Lincosamide.

Methicillin-Resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)

  • Die Resistenz entsteht durch Bildung eines veränderten Penicillin-Bindeproteins und betrifft alle Beta-Lactam-Antibiotika.

  • Staphylococcus aureus: Gram+, kokkenförmig, fakultativ anaerob. Kann harmlos sein oder Infektionen verursachen.

  • MRSA-Therapie: Vancomycin, Ceftarolin (Gruppe 5 Cephalosporin), Fosfomycin.

  • MRSA ist problematisch in Krankenhäusern (nosokomiale Infektionen).

  • Prävention: Händehygiene, Isolation von MRSA-positiven Patienten, Schutzkleidung (Handschuhe, Kittel, Mundschutz), bakterielles Screening bei Aufnahme, Dekolonisationstherapie (Mupirocin 7 Tage).

Gram-positive & Gram-negative Bakterien

Unterscheidung durch Gram-Färbung im Labor.

  • Gram-positiv (blau-violett): Dicke Peptidoglykanschicht, keine äußere Membran.

    • Beispiele: Staphylococcus, Streptococcus, Clostridium.

    • Antibiotika: Beta-Lactame.

  • Gram-negativ (rot): Dünne Peptidoglykanschicht, äußere Membran.

    • Beispiele: E. coli, Pseudomonas, Klebsiella.

    • Antibiotika: Breitspektrum-Antibiotika (Cefepim, Carbapeneme).

Tuberkulose & Virustatika

Tuberkulose

Eine durch Mykobakterien ausgelöste, primär pulmonale Infektion.

  • Therapie:

    • Initialphase (2 Monate): Vierfach-Therapie mit Rifampicin, Isoniazid, Pyrazinamid, Ethambutol.

    • Stabilisierungsphase (4 Monate): Zweifach-Therapie mit Rifampicin, Isoniazid.

  • Monatliche Therapiekontrolle: Leberwerte, Blutbild.

  • Nebenwirkungen:

    • Hepatotoxizität (Rifampicin, Isoniazid, Pyrazinamid).

    • Polyneuropathie (Isoniazid).

    • Optikusneuritis (Ethambutol) → Augenkontrolle notwendig!

Virustatika

  • Aciclovir: Therapie von HSV (Herpes-simplex-Virus) und Varizella-Zoster-Virus (v.a. bei immunsupprimierten Patienten).

  • Ganciclovir: Therapie von CMV-Viren (Cytomegalievirus).

  • Foscarnet: Alternative zur Behandlung von CMV und HSV Infektionen (v.a. bei AIDS).

  • Entecavir: Therapie von Hepatitis B (Tenofovir auch).

  • Ribavirin: Therapie von Hepatitis C.

  • Biktarvy®: Kombination aus Biktegravir + Tenofovir alafenamid (TAF) + Emtricitabin → HIV-Therapie.

Antimykotika

  • Beispiele: Terbinafin, Ketoconazol, Amphotericin B.

Gerinnungsmechanismus & Antikoagulantien

Die Blutgerinnung ist ein komplexer Prozess, der durch verschiedene Medikamentenklassen beeinflusst wird, um Thrombosen zu verhindern oder aufzulösen.

Vitamin-K-Antagonisten (VKA)

  • Beispiele: Marcumar (Phenprocoumon, Warfarin), Simtrium (Acenocoumarol).

  • Wirkmechanismus: Kompetitive Hemmung der Vitamin-K-Epoxid-Reduktase. Vitamin K-Epoxid ist eine inaktive Form von Vitamin K.

  • Vitamin-K-abhängige Faktoren: Faktor II, VII, IX, X, sowie Protein C und S.

  • Indikationen: Künstliche (mechanische) Herzklappe, Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern, TVT und Lungenembolie.

  • Anwendung:

    1. Überlappende Therapie mit Heparinen oder Fondaparinux.

    2. Nach 5 Tagen wird die Heparin-Therapie beendet, wenn der INR-Wert stabil im therapeutischen Bereich liegt (meist 2.0-3.0).

    3. Therapiekontrolle erfolgt über den Quick-Wert (70-100%).

  • Überlappende Therapie (Warum?):

    • Verzögerter Wirkungseintritt der Cumarine (Halbwertszeit der Faktoren ca. 5 Tage).

    • Initialer Abfall des Protein-C-Spiegels (thrombotisches Risiko, Hautnekrose – Cumarinnekrose).

  • Vorgehen bei elektiven Operationen unter Marcumar:

    1. Therapieumstellung: VKA absetzen + Bridging-Verfahren.

    2. Am Operationstag: Das alternative Antikoagulans wird pausiert.

    3. Wiederaufnahme des alternativen Antikoagulans gleichzeitig mit VKA.

    4. Das alternative Antikoagulans wird bei stabilen INR-Werten beendet.

  • Unerwünschte Wirkungen: Blutung, Hautnekrose.

  • Kontraindikationen: Schwangerschaft (1. Trimester) + Stillzeit, erhöhte Blutungsneigung (Ulkus, Aneurysma, Sturzneigung).

  • Antidot: Vitamin K (Kona-Kion) oral oder i.v. (1-5 mg). Ggf. Gabe von Gerinnungsfaktoren (PPSB) bei aktiver Blutung, Gefrorenes Plasma.

Heparine (UFH, NMH) & Fondaparinux

HIT (Heparin-induzierte Thrombozytopenie) tritt nach 5 Tagen auf.

Eigenschaft

UFH (unfraktioniertes Heparin)

NMH (niedermolekulares Heparin)

Fondaparinux

Anwendungsgebiete

Prophylaxe bei OP, ACS, TVT, LAE

Prophylaxe bei OP, akute Thromboembolie

Prophylaxe bei OP, ACS, TVT, LAE

Verabreichung

Kontinuierlich i.v. (5000 IE Bolus)

s.c. (0.4-0.6 mL täglich) oder i.v. (40 mg)

s.c. (0.4-0.6 mL täglich)

Überwachung

PTT regelmäßig

Keine Routinemessung nötig

Keine regelmäßige Überwachung nötig

Halbwertszeit

Kurz.

Länger als UFH (2-4 h), oft 1x täglich

Lang, sehr stabil, 1x täglich

Nierenfunktion

Anwendung bei Niereninsuffizienz

Keine Anwendung bei Niereninsuffizienz

Keine Anwendung bei Niereninsuffizienz

HIT-Risiko

Hoch

Geringer als UFH

Noch geringer als NMH

Vorteile

Schnelle Wirkung, leichte Reversibilität mit Protaminsulfat

Längere HWZ, keine Überwachung nötig

Sehr geringes HIT-Risiko, 1x täglich, keine Überwachung nötig

  • UFH und NMH dürfen in der Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden.

  • Antidot für UFH & NMH: Protaminsulfat (1 mg Protaminsulfat = 1 mg Enoxaparin / 100 IE UFH). Wirkt nicht bei Fondaparinux.

NOAK (Neue orale Antikoagulanzien) / DOAK (Direkte orale Antikoagulanzien)

Keine Kontrolle erforderlich (außer bei bestimmten Fragestellungen).

  • Hemmung von Faktor IIa (Thrombin):

    • Beispiel: Dabigatran (Pradaxa).

    • Wirkmechanismus: Hemmt direkt Thrombin.

    • Antidot: Idarucizumab (Praxbind).

    • Indikationen: Vorhofflimmern, TVT, LAE (außer mechanische Herzklappe).

    • Nebenwirkungen: Blutung (intrakraniell, GI, Hämaturie), Dyspepsie.

    • Kontraindikationen: Aktive Blutung, Schwangerschaft + Stillzeit, mechanische Herzklappe, GFR <15 mL/min.

    • Dabigatran muss bei Raumtemperatur in Originalverpackung aufbewahrt werden.

  • Hemmung von Faktor Xa:

    • Beispiele: Rivaroxaban (Xarelto), Apixaban (Eliquis), Edoxaban (Lixiana).

    • Wirkmechanismus: Hemmt direkt Faktor Xa.

    • Antidot: Andexanet alfa (Andexxa).

    • Indikationen: Vorhofflimmern, TVT, LAE, pAVK.

Einfluss auf Gerinnungsparameter

  1. Quick-Wert (Prothrombinzeit): Erniedrigt bei VKA. Normal: 70-130%.

  2. INR (International Normalized Ratio): Erhöht bei VKA. Normal: 1.0 (ohne Einheit).

  3. PTT (partielle Thromboplastinzeit): Erhöht bei UFH. Normal: 35-40 s.

  4. Anti-Faktor Xa-Aktivität: Erhöht bei UFH, NMH und Fondaparinux.

Fibrinolytika

  • Beispiele: Alteplase (Actilyse), Tenecteplase (Metalyse).

  • Wirkmechanismus: Plasminogenaktivatoren. Fördern die Bildung von Plasmin aus Plasminogen. Plasmin spaltet das Fibrinnetzwerk → Thrombolyse.

  • Indikationen: Myokardinfarkt (wenn Koronarographie nicht verfügbar), schwere Lungenembolie, ischämischer Schlaganfall, akuter Verschluss (Embolie) bei pAVK (Gliedmaßenischämie).

  • Absolute Kontraindikationen: Hämorrhagischer Schlaganfall (letzte 6 Monate), Kopfverletzung/Trauma/OP (letzte 3 Wochen), Magen-Darm-Blutung (letzter Monat), Aortendissektion.

  • Relative Kontraindikationen: TIA (letzte 6 Monate), arterielle Hypertonie (Krise), orale Antikoagulation (NOAK, Ausschluss von Schlaganfall muss sein), aktives Ulkusleiden, Schwangerschaft.

  • Antidot: Aprotinin, Tranexamsäure.

Thrombozytenaggregationshemmer (TAH)

  • Acetylsalicylsäure (ASS):

    • Irreversible Hemmung der Cyclooxygenase (COX).

    • Wirkung: Hemmt Thrombozytenaggregation (COX-1), Hemmt Prostaglandine (COX-1) nur bei hochdosiertem ASS.

    • Kurze Halbwertszeit (15 min), starker First-Pass-Effekt. Aber irreversible Wirkung.

    • Anwendung: Akutes Koronarsyndrom (150-250 mg), Sekundärprophylaxe nach MI, TIA, pAVK, Apoplex, nach arterieller Gefäßchirurgie (PTCA).

    • Hochdosiert: Analgetikum, Antipyretikum.

    • Kontraindikationen: Erhöhte Blutungsneigung, Allergie, Asthma. Akute GI-Blutung, Leber-/Nierenversagen.

    • ASS muss vor OP pausiert werden (5 Tage), da Lebensdauer der Thrombozyten 7-10 Tage.

    • ASS kann nicht zur Thromboprophylaxe VENÖSER Thrombosen verwendet werden.

  • ADP-Rezeptor-Antagonisten:

    • Verhindern ADP-induzierte Thrombozytenaktivierung.

    • Beispiele: Clopidogrel (75 mg), Prasugrel, Ticagrelor.

    • Anwendung: Als Alternative zu ASS, in dualer Plättchenhemmung (DAPT) mit ASS.

    • DAPT: ASS + Clopidogrel/Prasugrel/Ticagrelor. Nach Stentimplantation (6-12 Monate), nach Drug-Eluting-Ballon (3 Monate).

    • Prasugrel Kontraindikation: Schlaganfall-Anamnese.

  • GPIIb/IIIa-Rezeptor-Inhibitoren:

    • Antikörper, stärkste Thrombozytenfunktionshemmer.

Kenntnisprüfung Freiburg: Erfahrungsberichte & Prüfungsthemen

Die Kenntnisprüfung (KP) Freiburg umfasst Innere Medizin und Chirurgie mit ergänzenden Aspekten wie Notfallmedizin, klinische Pharmakologie/Pharmakotherapie, bildgebende Verfahren, Strahlenschutz und Rechtsfragen der ärztlichen Berufsausübung. Zusätzliche Fächer können bei wesentlichen Unterschieden im Studienverlauf festgelegt werden.

Kommission & Ablauf

  • Besteht typischerweise aus einem Internisten, einem Chirurgen und einem Pharmakologen/Notfallmediziner.

  • Die Prüfung ist in drei Teile gegliedert:

    1. Anamnese und körperliche Untersuchung mit Schauspieler, gefolgt von der schriftlichen Erstellung eines Arztbriefs/Epikrise.

    2. Fallvorstellung des Patienten und klinische Fragen zum Fall, oft mit praktischen Demonstrationen.

    3. Medizinische Fachfragen von den Prüfern, oft in Form von Fallbeispielen.

  • Die Prüfer sind in der Regel hilfsbereit und unterstützen die Kandidaten bei der Beantwortung.

Häufig gestellte Themen (Auszug)

Innere Medizin

  • Kardiologie: KHK, ACS (STEMI, NSTEMI), Angina pectoris (stabil/instabil), Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen (VHF, Torsades de Pointes, AV-Block, SVT, VT, WPW-Syndrom), Aortendissektion.

  • Gastroenterologie: Cholezystitis, Appendizitis, Divertikulitis, GI-Blutung (oben/unten), Magenkarzinom, Pankreatitis, Pankreaskarzinom, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Zirrhose.

  • Pulmonologie: Pneumonie (typisch/atypisch), COPD, Asthma bronchiale, Lungenembolie, Pneumothorax, Tuberkulose, Lungenkarzinom.

  • Endokrinologie: Diabetes mellitus (alle Typen, Komplikationen, Therapie), Hyperthyreose (M. Basedow, Krise), Hypothyreose, Cushing-Syndrom, Addison-Krise, Phäochromozytom.

  • Hämatologie/Onkologie: Anämie (Eisenmangel, Vit B12-Mangel), Leukämien (CLL, CML), Lymphome (Hodgkin, Non-Hodgkin), Multiples Myelom.

  • Nephrologie: Akutes/chronisches Nierenversagen, Elektrolytstörungen (Hyper-/Hypokaliämie, -natriämie), Nephrotisches Syndrom.

  • Infektiologie: HIV, Hepatitis (A, B, C), Meningitis, Lyme-Borreliose, Malaria, Tetanus.

Chirurgie

  • Viszeralchirurgie: Akutes Abdomen, Ileus (mechanisch/paralytisch), Hernien (Leisten-, Nabel-), Darmoperationen (Ablauf, Komplikationen), Cholezystektomie, Appendektomie, Sigmaresektion.

  • Orthopädie/Unfallchirurgie: Frakturen (distale Radius-, Schenkelhals-, Beckenring-, Humerus-, Olekranon-, Unterschenkel-, Sprunggelenks-, Wirbelkörper-), Luxationen (Schulter-, ACG-), Achillessehnenruptur, Kompartmentsyndrom, Osteosynthese-Verfahren.

  • Notfallchirurgie: Polytrauma, Verbrennungen (Grad, Therapie), Wundversorgung, Amputationen.

Pharmakologie

  • Alle Medikamentengruppen zu den genannten Krankheitsbildern (Wirkmechanismus, Nebenwirkungen, Kontraindikationen).

  • Antikoagulantien (VKA, Heparine, NOAK) und Fibrinolytika (Antidote!).

  • Antibiotika (Klassen, Spektrum, Nebenwirkungen, KI).

  • Schmerztherapie (WHO-Schema, Opioide, Nicht-Opioid-Analgetika).

  • Antidiabetika (Insulin, orale Antidiabetika).

  • Antihypertensiva (RAAS-Hemmer, Diuretika, Betablocker, Calciumantagonisten).

  • Psychopharmaka (Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine).

Wichtige Prüfungskomponenten

  • Körperliche Untersuchung: Herz, Lunge, Abdomen, neurologische Untersuchung (Hirnnerven, Reflexe, Koordination, Stand/Gang), pDMS (periphere Durchblutung, Motorik, Sensibilität).

  • Bildgebung: Interpretation von Röntgen (Thorax, Abdomen, Knochen), CT (Schädel, Thorax, Abdomen), MRT (Schädel, Gelenke), Sonographie (Abdomen, Gefäße).

  • Labordiagnostik: Interpretation von Blutbild, Entzündungsparametern, Elektrolyten, Nieren-/Leberwerten, Gerinnung, Tumormarkern.

  • Notfallmanagement: ABCDE-Schema, Reanimation, Schock (Formen, Therapie), intubierte Patienten.

  • Rechtliche/Ethische Fragen: OP-Aufklärung, Patientenverfügung, Schweigepflicht, Leichenschau, Impfpflicht, Zwangseinweisung.

Tipps zur Vorbereitung

  • Protokolle lesen und verstehen: Viele Fragen wiederholen sich.

  • Pathophysiologie verstehen: Nicht nur auswendig lernen.

  • Simulationen üben: Fallvorstellung, körperliche Untersuchung, Dialoge.

  • Amboss & Lernkarten nutzen.

  • Ruhe bewahren und strukturiert antworten: Auch wenn man nicht alles weiß, logisches Vorgehen zeigen.

"Information wants to be free. Power comes not from knowledge kept but from the knowledge shared."

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