Gewebearten und Zellkontakte
30 cartesÜbersicht über Gewebearten, Epithelgewebe, Zellkontakte und deren Funktionen.
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Gewebe – Aufbau und Funktion
Gewebe sind Verbände von Zellen und der von ihnen produzierten Interzellularsubstanz (Zwischenzellsubstanz), die gleichartig gebaut sind, differenzierte Aufgaben erfüllen und zusammenwirken. Je nach Funktion des Gewebes kann die Zelle oder die Interzellularsubstanz im Vordergrund stehen.
Gewebearten im Überblick
Man unterscheidet vier Hauptgewebearten im menschlichen Körper:
- Epithelgewebe
- Binde- und Stützgewebe
- Muskelgewebe
- Nervengewebe
Epithelgewebe
Epithelgewebe ist ein Deckgewebe, das äußere und innere Körperoberflächen (wie Haut und Schleimhäute) bedeckt. Es sitzt auf einer dünnen Basalmembran und wird vom darunterliegenden Bindegewebe ernährt, da es selbst keine Blutgefäße enthält. Epithelgewebe zeichnet sich durch eng miteinander verbundene Zellen aus, die eine Barriere bilden und so zwei Räume voneinander abgrenzen können (Schutzfunktion).
Typen des Epithelgewebes
Innerhalb des Epithelgewebes werden je nach Hauptfunktion unterschieden:
- Oberflächenbildende Epithelien: Bedecken Körperoberflächen, schützen und regulieren den Stoffaustausch (Sekretion und Resorption) mit der Umwelt.
- Drüsenepithelien: Produzieren und sezernieren Stoffe (Sekrete), entweder über Ausführungsgänge nach außen oder in Hohlräume (exokrine Drüsen) oder direkt ins Blut (endokrine Drüsen, z.B. Hormone).
- Sinnesepithelien: Sind Teil von Sinnesorganen und vermitteln Sinnesempfindungen (z.B. Netzhaut im Auge).
Zellkontakte im Epithelgewebe
Zellkontakte gewährleisten den Zusammenhalt und die Kommunikation zwischen benachbarten Zellen. Man unterscheidet drei Typen:
- Verschlusskontakt (tight junction): Macht den Interzellularraum vollständig undurchlässig für Stoffe (z.B. im Darmepithel).
- Offener Kontakt (gap junction): Verbindet Zellen miteinander und ermöglicht den direkten Stofftransport von Zelle zu Zelle (z.B. Herzmuskelzellen).
- Haftplatte (Desmosom): Hat ausschließlich mechanische Bedeutung und dient der Verankerung (z.B. in Plattenepithelien).
Oberflächenbildende Epithelien
Definition
Oberflächenbildende Epithelien werden nach ihrer Gestalt und der Anordnung der Schichten unterteilt:
- Gestalt:
- Plattenepithel
- Isoprismatisches (kubisches) Epithel
- Hochprismatisches (Zylinder-) Epithel
- Schichtenbildung:
- Einschichtiges Epithel
- Mehrschichtiges Epithel (Benennung nach Gestalt der obersten Zellschicht, z.B. mehrschichtiges Plattenepithel)
- Mehrreihiges Epithel (Alle Zellen sitzen auf der Basalmembran, aber nicht alle erreichen die Oberfläche, z.B. mehrreihiges Flimmerepithel der Atemwege)
Eine spezielle Form des mehrreihigen Epithels ist das Übergangsepithel der ableitenden Harnwege (z.B. Harnblase), das seine Schichtdicke und Höhe je nach Füllungszustand anpassen kann.
Oberflächendifferenzierung
Spezielle Differenzierungen der Epithelzellenoberfläche sind eng mit deren Funktion verbunden.
- Mikrovilli und Stereozilien:
- Mikrovilli: Fingerförmige Ausstülpungen der Plasmamembran, die die Oberfläche stark vergrößern (z.B. Bürstensaum im Dünndarm zur Nährstoffaufnahme).
- Stereozilien: Schmalere Zellausstülpungen, oft in Büscheln angeordnet, die ebenfalls Resorptions- und Sekretionsvorgängen dienen (z.B. im Nebenhodengang).
- Kinozilien: Eigenbewegliche Zellfortsätze (auch Flimmerhaare genannt), die durch koordinierte Wellenbewegungen Schleim verteilen und Flüssigkeitsströme erzeugen (z.B. im respiratorischen Epithel der Atemwege). Eine Zelle kann 200-300 Kinozilien tragen.
- Hornschicht: Bei mehrschichtig verhorntem Plattenepithel (z.B. Haut) bilden abgestorbene oberste Zellschichten eine Schutzschicht.
Zusatzinfo: Uroplakine
Die oberflächennahen Zellmembranen des Übergangsepithels der Harnblase enthalten spezielle Proteine, die sogenannten Uroplakine. Diese bilden Plaques, die einen Schutz vor aggressiven Harnbestandteilen bieten.
Drüsen- und Sinnesepithelien
Definition
Drüsen- und Sinnesepithelien sind spezialisierte Epithelgewebe. Drüsenepithel bildet Sekrete (nach außen, z.B. Schweiß; oder ins Blut, z.B. Hormone). Sinnesepithel nimmt Sinnesreize auf und leitet sie weiter (z.B. Riechschleimhaut).
Drüsenzellen
Drüsenzellen können vorkommen als:
- Einzelzellen innerhalb von Epithelien (z.B. Becherzellen im Dickdarm).
- In Form von epithelialen Organen (z.B. Schweiß-, Speichel-, Tränendrüsen, Bauchspeicheldrüse).
Die gebildeten Sekrete können auf verschiedene Weisen abgegeben werden:
- Exokrine Drüsen: Transportieren ihr Sekret über Ausführungsgänge an den Wirkort (z.B. Schweißdrüsen).
- Endokrine Drüsen: Geben ihr Sekret (z.B. Hormone) direkt ins Blut ab, wenn kein spezieller Ausführungsgang vorhanden ist (z.B. Schilddrüse, Hirnanhangsdrüse).
Sinneszellen
Sinneszellen in Epithelverbänden sind für die Reizaufnahme und -weiterleitung zuständig. Sie wandeln Reize (Licht, chemische Stoffe, mechanischer Druck, Schmerz) in elektrische Signale um, die als Erregung in Nervenfasern weitergeleitet werden.
Binde- und Stützgewebe
Binde- und Stützgewebe sind zwar äußerlich verschieden, haben aber einen gemeinsamen embryonalen Ursprung (Mesenchym). Im Gegensatz zu Epithel-, Muskel- und Nervengewebe, die hauptsächlich aus Zellen bestehen, zeichnen sich Binde- und Stützgewebe durch einen hohen Anteil an zwischenzelliger Substanz (Interzellularsubstanz) aus, die neben den Zellen eine wichtige Rolle spielt.
Zusammenfassung
- Gewebe sind funktionelle Verbände von Zellen und Interzellularsubstanz.
- Es gibt vier Hauptgewebearten: Epithel-, Binde- und Stütz-, Muskel- und Nervengewebe.
- Epithelgewebe dient der Abgrenzung, dem Schutz, der Sekretion, Resorption und Sinneswahrnehmung.
- Zellkontakte wie Verschlusskontakte, offene Kontakte und Desmosomen sind für die Funktion der Epithelien entscheidend.
- Oberflächenbildende Epithelien werden nach Zellgestalt und Schichtenbildung unterschieden und verfügen über spezielle Oberflächendifferenzierungen wie Mikrovilli, Stereozilien und Kinozilien.
- Drüsenepithelien produzieren Sekrete, die exokrin oder endokrin abgegeben werden.
- Sinnesepithelien wandeln Reize in elektrische Signale um.
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